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Flow – Glücksgefühle im Berufsleben und das Versagen des Managements

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Psychologen raten zu einem „Bündnis für Freude“


München/Neuss - Wann bringt der Beruf neben Geld auch Erfüllung? Psychologen raten zu einem „Bündnis für Freude“ zwischen Mitarbeitern und Chefs. Seit den alten Griechen galt nur die geistige Arbeit als erstrebenswert – das Schuften überließen die Bürger ihren Sklaven. Auch das deutsche Wort Arbeit geht auf das germanische arba (Knecht) zurück. Aus christlicher Sicht ist Arbeit Folge des Sündenfalls im Paradies; zur Strafe müssen die Menschen den göttlichen Freizeitpark verlassen und „im Schweiße ihres Angesichts“ malochen. Zwar hatte der heilige Benedikt von Nursia schon früh für seinen Mönchsorden die Regel „bete und arbeite“ (ora et labora) festgelegt; doch halbwegs respektiert wird die Arbeit erst im Spätmittelalter.

Die Einstellungen zum Erwerbsleben sind auch heute noch ambivalent – vermutlich, weil Arbeit beides umfasst: Lust und Last, Freude und Fron. Der Psychologe Mihaly Csikszentmihalyi warnt in einem Interview mit dem Focus-Magazin http://focus.msn.de vor den negativen Folgen reiner Ertragsorientierung für die Arbeitsfreude. Der US-Psychologe ungarischer Abstammung gilt als einer der führenden Glücksforscher der Welt. Nach seiner Auffassung sei der Unternehmer seinen Mitarbeitern nicht bloß den Lohn schuldig, sondern auch die Möglichkeit, am Arbeitsplatz Freude und Erfüllung zu finden. „Viele Unternehmer, die ich interviewt habe, sehen ein, dass sie auch für das psychische Wohlergehen ihrer Mitarbeiter verantwortlich sind. Auf lange Sicht kann man Menschen nicht zwingen, etwas zu tun, was sie nicht mögen“, sagte Csikszentmihalyi gegenüber Focus. Selbst bei den Gewerkschaften sei wenig von Freude bei der Arbeit die Rede. Jobs freudvoller zu machen, so das Klischee der Funktionäre, sei bloß eine Managementstrategie, um sich vor Gehaltserhöhungen zu drücken.

Csikszentmihalyi kann sich allerdings auch mit dem Shareholder-Kapitalismus nicht anfreunden. Er untergrabe die Möglichkeiten, am Arbeitsplatz Flow, dieses erfüllende Gefühl, zu erfahren. Das herrschende Wirtschaftssystem halte Menschen davon ab, das zu tun, was ihrem persönlichen Wohlbefinden und dem ihrer Familie zuträglich sei. Für den Mittelständler Robert Wolff sind das keine neuen Erkenntnisse. Schon in den 70er Jahren verabschiedete sich sein Unternehmen Wolfcraft http://www.wolfcraft.de von den allgemein vorherrschenden Führungsprinzipien. "Wir müssen lernen, dass die Mitarbeiter nicht Kostenfaktoren sind, sondern Menschen mit unternehmerischen Fähigkeiten“, führt Wolff aus. Was auf dem Konsumgütermarkt für die externen Kundenbeziehungen gelte, müsse auch für den Sozialgütermarkt im Unternehmen gelten. "Was extern die Konsumenten sind, sind intern die eigenen Mitarbeiter. Wie auf dem Konsumgütermarkt müssen Unternehmen auf dem Sozialgütermarkt um ihre Kunden werben“, so Wolff. Für Csikszentmihalyi ist das eine existentielle Frage: „Es könnte sein, dass das Bedürfnis der Menschen nach einem guten Leben irgendwann einmal zu einer Revolte führt“.

Dazu müsse es nach Meinung des Neusser Unternehmers Michael Müller allerdings nicht kommen, wenn sich Führungskräfte wieder auf alte Tugenden besinnen würden. „In Großunternehmen geht es viel zu technokratisch zu. Da werden irgendwelche Plattitüden in Unternehmensleitsätze gegossen und sind doch eher ein Zeichen von Hilflosigkeit. Die heutige Managergeneration betreibt zuviel Nabelschau, genau wie unsere Politiker“, so Müller, Geschäftsführer der a & o Aftersales & Onsite Services GmbH. Seinen Mitarbeitern und Kunden empfiehlt Müller die Lektüre des Buches von Thomas A. Harris „Ich bin o.k. – Du bist o.k.“. Das Ziel von Harris bestehe in einer verbesserten Kommunikation mit anderen Menschen und nicht zuletzt in einem grundlegenden Verständnis für sich selbst: Respekt gegenüber Mitmenschen, Zuverlässigkeit, Berechenbarkeit und Ehrlichkeit seien Regeln, die für das Privat- und Berufsleben gelten. „Ich kenne alle meine Mitarbeiter mit Namen, ich kenne die Historie, ich kenne die Familienverhältnisse und weiß, wie viele Kinder sie haben und wann ein Kind krank ist. Das ist ein entscheidender Unterschied zum Konzern. Ein Konzern versucht in der Regel, den neuesten Management-Modetrends hinterherzulaufen und verliert dabei den Blick für das Wesentliche. Wir sind ein noch sehr personengeführtes Unternehmen. Ich bin jeden Tag in meinen Werkstätten, rede mit den Leuten und verbringe meine Mittagspause mit ihnen“, so Müller.

Buchtipp: Mihaly Csikszentmihalyi, Flow im Beruf, 312 Seiten, Klett-Cotta Verlag, Februar 2004, 22,50 Euro






Für den Inhalt der Pressemitteilung ist der Einsteller, Claudia Klemp, verantwortlich.

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