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Zum 20. Museumsgeburtstag des Overbeck-Museums in Bremen erwachen die Stimmen der Maler zum Leben.

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"Was brauchen wir mehr als uns und die Kunst?" - was als Lebensmotto über der Künstlerehe von Fritz und Hermine Overbeck stehen könnte, ist der Titel des neu erschienen Hörbuchs mit Auszügen aus dem Briefwechsel der beiden Maler.


"Was brauchen wir mehr als uns und die Kunst?" - was als Lebensmotto über der Künstlerehe von Fritz und Hermine Overbeck stehen könnte, ist der Titel des neu erschienen Hörbuchs mit Auszügen aus dem Briefwechsel der beiden Maler. ...

Aus Anlass der diesjährigen Partnerausstellung des Overbeck-Museums auf Sylt hat die Sylter Hörbuch Edition die schönsten Briefe von Fritz Overbeck (1869 - 1909) und seiner Frau Hermine Overbeck-Rohte (1869 - 1937) eingelesen, charmant vorgetragen von Produzent und NDR-Journalist Stefan Hartmann in der Rolle des Malers und der Sprecherin Johanna Pittkowski als dessen Schülerin und spätere Ehefrau. Sehr plastisch erwachen die Stimmen der beiden Künstler hier zum Leben: Wir hören die junge Hermine Rohte, die vor ihrer Eheschließung befürchtet, sie müsse von nun an "ganz auf die Kunst verzichten", um sich der Haushaltsführung und Kindererziehung zu widmen, während Fritz Overbeck durch die Worpsweder Landschaft zieht und von seinen neuen Bildentwürfen berichtet. Daneben wird aber auch immer wieder die große Verbundenheit der beiden Partner deutlich, eine Verbundenheit, die nicht nur auf innigen Gefühlen, sondern auch auf kollegialem Austausch beruht, bekennen doch beide: "Zwischen uns hat die Kunst vermittelt."

Die CD nimmt die Hörer 78 Minuten lang mit auf eine spannende Zeitreise ins ausgehende 19. und beginnende 20. Jahrhundert. Die Korrespondenz setzt nach der Verlobung der beiden Künstler im Herbst 1896 ein, da die bevorstehende Eheschließung zunächst nach einem Trennungsjahr verlangte. Im Sommer 1896 war Hermine Rohte als Malschülerin aus München nach Worpswede gekommen, um bei dem bekannten Worpsweder Overbeck zu studieren. Schnell entwickelte sich nicht nur ein künstlerischer Gleichklang zwischen Lehrer und Schülerin, so dass beide nach nur drei Monaten ihre Verlobung bekannt gaben. Bis zur Hochzeit im Oktober 1897 entspinnt sich daraufhin ein reicher Briefwechsel zwischen Itzhoe, wo Hermine Rohte im Haushalt ihrer Schwester die Aussteuer vorbereitete, und Worpswede, wo Fritz Overbeck das künftige Familienheim baute.

Die Briefe der Overbecks zeichnen ein sehr persönliches Bild von den Charakteren der Maler und geben private Einblicke in das Leben in einem Künstlerhaushalt. Während Fritz Overbeck zum Beispiel regelmäßig Rat sucht bei seinem Kollegen "Hermann", wie er Hermine augenzwinkernd adressiert, wenn es um Fragen der Kunst geht, schickt er seiner Verlobten stetig eine Vielzahl von Küssen, meist "die gelbe Sorte", um sie seiner Zuneigung zu versichern. Dieses Spiel mit zwei Persönlichkeiten macht gleichzeitig die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen einer Künstlerehe um 1900 deutlich: Eine Tätigkeit als Malerin war für Hermine Overbeck nach ihrer Eheschließung kaum mehr angemessen, daher weicht ihr Mann auf die Rolle des "Hermann" aus, um sich dennoch künstlerisch mit ihr austauschen zu können. Darüber hinaus scheinen viele der Briefe jedoch noch genauso aktuell wie vor rund 100 Jahren, wenn es etwa um Fragen der Einrichtung oder der Kindererziehung geht oder von der Sehnsucht die Rede ist, die die oft langen Trennungszeiten mit sich brachten.

Auch nach ihrer Hochzeit setzt sich der schriftliche Austausch der Overbecks fort: Fritz Overbeck reiste z.B. mehrfach zu Studienaufenthalten nach Sylt und erzählt von den ungeheuren Eindrücken, die die Umgebung der Insel, die Dünen und die Wellen, auf ihm machten, Hermine Overbeck-Rohte hingegen litt an Lungentuberkulose und weilte deshalb über mehrere Monate im Sanatorium in Davos, von wo aus sie drängende Briefe ins neu gegründete Heim nach Bremen-Vegesack schickt. Die Korrespondenz der Overbecks reißt im Sommer 1909 unvermittelt ab, als Fritz Overbeck im Alter von nur 39 Jahren plötzlich an einem Hirnschlag stirbt. Das Hörbuch erfüllt die Briefe der Maler mit neuem Leben und macht Lust, im Anschluss auch die Werke der Künstler kennenzulernen - ganzjährig im Overbeck-Museum, Bremen, oder im Heimatmuseum Keitum, wo zum 20-jährigen Bestehen des Overbeck-Museums noch bis 14. November die schönsten Sylt-Bilder von Fritz und Hermine Overbeck zu sehen sind.

Die CD "Was brauchen wir mehr als uns und die Kunst? - Fritz und Hermine Overbeck. Auszüge aus dem Briefwechsel (1896 - 1909)" ist in der Sylter Hörbuch Edition erschienen und kostet 12,80 Euro. Sie ist im Overbeck-Museum, Bremen, im Sylter Heimatmuseum in Keitum sowie im Buchhandel erhältlich.


Dr. Friederike Daugelat
Overbeck-Museum
Altes Packhaus Vegesack
Alte Hafenstraße 30
28757 Bremen
Telefon: 0421 - 663 665
Fax: 0421 - 247 61 47
info@overbeck-museum.de
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