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Global Peace Index |

Erste faktenbasierte Studie über weltweite Medien und Gewalt

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Al Jazeera mit breitester Berichterstattung zu Afghanistan


- US-amerikanische Fernsehsender zeigen mehr Gewalt als andere Länder - Übermäßige Berichterstattung zu Gewalt verhindert Frieden in Afghanistan - BBC ist internationale Nachrichtenquelle mit der größten Reichweite

LONDON, 26. Oktober 2010 – Das Institute for Economics and Peace (IEP) und Media Tenor geben heute die Ergebnisse ihrer Untersuchung zum Thema „Frieden und Konflikte in den Medien“ bekannt. Die Studie ist die erste faktenbasierte Untersuchung zur Genauigkeit der Berichterstattung internationaler Fernsehsender bei den Themen Frieden, Gewalt und Konflikte.
Die Untersuchung zeigt, dass die Mehrheit der Sender ihre Berichterstattung den Ausmaßen der Gewalt in den Ländern angleichen, über die sie berichten. Viele der wichtigsten US-amerikanischen Sender widmen allerdings mehr als die Hälfte ihrer Nachrichten und aktuellen Berichte Themen der Gewalt. In der Breite der Berichterstattung ist BBC World mit regelmäßigen Berichten über 67 Länder in sechs Kontinenten führend. Das ist mehr als doppelt so viel wie der Durchschnitt.
Der Bericht enthält auch eine detaillierte Fallstudie zu Afghanistan, aus der hervorgeht, dass ein unverhältnismäßig hoher Anteil der Berichterstattung sich auf Themen wie Verteidigungseinsätze und Kriminalität richtet. Demgegenüber bleiben die kritischen Faktoren, auf die es zum Aufbau eines anhaltenden Friedens ankommt, unbeachtet. Themen wären hier etwa eine gut funktionierende Regierung, ein gesundes Wirtschaftsumfeld oder die gleichmäßige Verteilung der natürlichen Ressourcen innerhalb des Landes.
Die Studie untersucht 37 Nachrichtenprogramme von 23 Sendern in 15 Ländern und vergleicht die Ergebnisse mit dem Global Peace Index (GPI), der das Niveau von Frieden und Gewalt 149 Ländern untersucht. Insgesamt wurden 197.649 Berichte analysiert. Den Niveaus des GPI entsprachen dabei am ehesten die Programme BBC 2 Newsnight und das ZDF Heute Journal.
Haupterkenntnisse zu Gewalt in den Medien: Vier Sendungen widmen mehr als die Hälfte ihrer Berichte dem Thema Gewalt: CBS Evening News, Fox Special Report und ABC World News (alle USA) sowie ITV News at 10 (Großbritannien) Die 10 Sendungen mit der meisten Gewalt widmen durchschnittlich 48% ihrer Berichte Gewaltthemen Die 10 Sendungen mit der geringsten Gewalt widmen durchschnittlich 24% ihrer Berichte Gewaltthemen 8 der 10 Sendungen mit der meisten Gewaltberichterstattung kommen aus den USA und Großbritannien
Eine der zentralen Erkenntnisse der Studien ist, dass die Themenbreite der Berichterstattung in den Medien Einfluss darauf hat, wie gut die Zuschauer die Kultur eines anderen Landes verstehen. Wenn die Medien sich aber nicht auf die Schlüsselfaktoren zum Aufbau eines dauernden Friedens konzentrieren, können Friedensinitiativen entsprechend wenig auf die Unterstützung der Zuschauer zählen.
„Egal, ob der Tenor der Berichterstattung positiv oder negativ ist, es kommt entscheidend darauf an, dass sich die Medien auf jene Strukturen konzentrieren, die anderen Nationen auf die Beine helfen“, so Steve Killelea, Gründer von IEP. „Wenn die Medien zu viel Augenmerk auf Gewalt richten, gilt Sicherheitsdenken als alleiniger Weg zum Frieden. Das entspricht genau dem Gegenteil von dem, was wir über die Schaffung von Friedensprozessen wissen“.
Fallstudie Afghanistan
In den Medien wird mehr über Afghanistan berichtet, als über jedes andere Konfliktland. Entsprechend hat die Berichterstattung in den Medien auch die Antworten der Welt auf diesen Konflikt geprägt. Um zu untersuchen, wie genau die Medien über Afghanistan berichten, wurden CNN International, BBC World und Al Jazeera English als drei glaubwürdige Sender aus drei Kontinenten ausgesucht. Alle drei zeigten eine ähnliche Anzahl an Berichten zu Themen, die am häufigsten gesendet wurden: Krieg, Wahlen, Kriminalität und internationale Politik. Dabei erwies sich Al Jazeera als der Sender mit der breitesten Themenabdeckung (22 aus 33 möglichen Themen), einschließlich einer höheren Quote zu friedensfördernden Themen. Al Jazeera News zeigte insgesamt dreimal mehr positive Berichte als BBC World und mehr als achtmal so viele wie CNN International Desk. Die Zuschauer dieses arabischen Senders haben ein besseres Verständnis der afghanischen Kultur. Aufgrund der relativen geografischen Nähe zum Konflikt in Afghanistan im Vergleich zu Europa und den USA verlangen die Zuschauer von Al Jazeera eine nuanciertere Berichterstattung.
„Im Krieg gegen den Terrorismus kommt es entscheidend darauf an, die Zuschauer darüber zu informieren, wie dauernder Frieden und Stabilität geschaffen werden können“, so Roland Schatz, CEO von Media Tenor. „Angesichts der Schlüsselrolle der Medien für die öffentliche Meinung ist eine robuste und vielseitige Berichterstattung zu den wichtigsten Themen entscheidend“.
Einseitige Konfliktberichterstattung in gewalttätigen Ländern verhindert Besserung
Abgesehen von Zimbabwe und Afghanistan sind die Länder mit der meisten Gewaltberichterstattung unter den führenden Wirtschaftsnationen zu finden. Neben dem Zusammenhang mit der Berichtsrelevanz von Ländern mit geopolitischem Einfluss verweist das aber auch auf das Interesse der Zuschauer an und die Kenntnis über diese Länder und wirkt damit auch auf die Einstellung und Vorgehensweise ihrer Regierungen im Umgang mit jenen Ländern.
„Es ist natürlich nur menschlich, dass wir mehr Empathie für Völker und Gesellschaften empfinden, die wir kennen“, so Killelea. „Wenn wir wirklich Frieden in konfliktbeladenen Gesellschaften schaffen wollen, müssen wir zunächst einmal diese Gesellschaften gut kennen und verstehen“.
Positive Friedensberichte machen nur 1,6% der gesamten in der Studie untersuchten Berichte aus. Es handelt sich dabei um Berichte zu aktiven Schritten zur Lösung von Gewaltsituationen. Dieser kleine Prozentsatz spiegelt dabei vielleicht auch, welche Themen überhaupt für nachrichtenwürdig gehalten werden: anscheinend vor allem dramatische und folgenschwere, gewaltsame oder kontroverse Ereignisse. Aufgrund der klischeehaften Berichterstattung über Länder mit niedrigem GPI können die Zuschauer nur schwerlich Empathie für diese Länder entwickeln und sind daher nur wenig geneigt, deren Regierungen im Friedensprozess zu unterstützen. Die beiden Sender mit den meisten positiven Friedensberichten sind Al Jazeera und die ARD Tagesschau, die beide 8% ihrer Konfliktberichterstattung positiven Berichten über Friedensfortschritte widmen.
Sender im Nahen Osten sind positiver als in Europa und den USA
Besonders interessant sind die unterschiedlichen Muster der Berichterstattung in Europa, Nahost und den USA bei Berichten über andere Regionen. Europäische Sender zeigen ein ähnliches Niveau der Berichterstattung über den Nahen Osten (27%) und Nordamerika (29%), während sich US-Sender mehr für den Nahen Osten (40%) interessieren als für Europa (24%). Im Nahen Osten zeigt sich ein stärkeres Interesse für europäische Angelegenheiten (36%) als für Nordamerika (21%).
Obwohl die US-Sender mehr Sendezeit für den Nahen Osten aufwenden als die europäischen Sender, enthalten die Berichte über Nahost in beiden Fällen über 60% Gewaltthemen. Gleichzeitig berichten Sender in Nahost und Europa vergleichsweise selten über Gewalt in den USA, obwohl die USA auf Platz 85 von 149 Ländern im Global Peace Index liegen.
Am wenigsten positiv eingestellt sind US-Nachrichtensendungen. Nachrichten in Nahost sind dagegen eher positiv eingestellt. Die Studie zeigt ein hohes Maß an negativen Berichten über Afrika, wenngleich dieser Kontinent aus nahöstlicher Perspektive positiver dargestellt wurde als aus europäischer oder US-amerikanischer. Sowohl in Europa als auch in Nahost waren die Sender tendenziell Nordamerika gegenüber positiver eingestellt als gegenüber anderen Regionen.
Weitere Informationen unter www.visionofhumanity.org oder www.mediatenor.com


Für den Inhalt der Pressemitteilung ist der Einsteller, Claudia Schorr, verantwortlich.

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