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Mercer-Untersuchung „Automobile Sicherheitstechnik“

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Fahrzeug-Sicherheit ist ein Wachstumsmarkt


• Die rasante Technologieentwicklung der nächsten zehn Jahre macht deutlich sicherere Autos möglich • Das stärkste Wachstum versprechen Fahrer-Assistenzsysteme • Die Zulieferer teilen sich in Systemanbieter und Spezialisten

München, 6. Mai 2004 – Verkehrsteilnehmer können sich freuen: Die Automobilindustrie trägt ihrem gestiegenen Bedürfnis nach sichereren Autos mit neuen Technologien und vielen Weiterentwicklungen Rechnung. In den nächsten Jahren wird sie alle vorhandenen Sicherheitssysteme im Auto entscheidend verbessern und zahlreiche neue Technologien einführen. Das ist das Ergebnis der Mercer-Untersuchung „Automobile Sicherheitstechnik“, die auf einer Befragung von Managern der Branche sowie einer Sekundärauswertung vorhandener Studien beruht. Vor allem die aktive Sicherheit wird verbessert, also Systeme zur Unfallvermeidung wie ESP, ABS oder die adaptive Geschwindigkeits-Regelung zur automatischen Abstandswahrung im Verkehr. Für Zulieferer ist diese Entwicklung sowohl eine Chance als auch eine Gefahr: Die intensive elektronische und mechanische Vernetzung, die die neue Technik erfordert, wird die Großen der Branche begünstigen. Kleine Unternehmen haben eine Chance als spezialisierte Komponentenhersteller, während die Mittelgroßen in Gefahr geraten.

Gurt und Airbag waren die Meilensteine der sicherheitstechnischen Entwicklung der letzten 30 Jahre. Sie haben dazu beigetragen, die Zahl der jährlichen Verkehrstoten in Deutschland seit Anfang der 70er-Jahre von über 21.000 auf unter 7.000 zu senken, obwohl sich die Zahl der zugelassenen Kraftfahrzeuge von etwa 14 Millionen im Jahr 1970 auf heute 45 Millionen Pkws verdreifacht hat. Solche passiven Systeme zum Insassen- und Fußgängerschutz sind heute Standard – aber bei weitem nicht ausgereizt. Aktive Sicherheitssysteme wie das Antiblockiersystem (ABS) oder das Elektronische Stabilitäts-Programm (ESP) spielen erst seit kurzem in der Statistik eine Rolle, aber ihre zunehmende Verbreitung und ihre enormen Entwicklungsmöglichkeiten werden die Zukunft der Fahrzeug-Sicherheit weitaus mehr prägen, als es die passiven je taten.

Vorangetrieben wird die Entwicklung zu mehr automobiler Sicherheit von vielen Seiten. „Zum einen macht die rasante Technologieentwicklung in Zukunft deutlich sicherere Autos möglich. Zum anderen bleibt das Thema Sicherheit für Autofahrer eines der Top-Kriterien beim Autokauf. Je nach Untersuchung steht es auf dem ersten bis dritten Rang auf der Skala der Kaufargumente“, so Dr. Jan Dannenberg, Automobilexperte und Director von Mercer Management Consulting. Hinzu kommen zahlreiche Gesetzesinitiativen, die die Automobilhersteller zum Einbau von mehr Sicherheitstechnik drängen: Die USA werden in den nächsten Jahren die schrittweise Einführung intelligenter Rückhaltesysteme verlangen, und die EU plant, ab 2005 mehr Fußgängerschutz festzuschreiben. Heute gibt es sehr verschiedene Ansätze für Fußgängerschutzmaßnahmen, die alle großes Entwicklungspotenzial haben: Automobilhersteller wie Ford, Honda und Mazda setzen zum Beispiel auf eine anhebbare Motorhaube. DaimlerChrysler prüft den Einsatz flexiblerer Materialien, um so das Risiko ernsthafter Verletzungen für Fußgänger zu minimieren. Autoliv testet Airbags in den A-Säulen des Fahrzeugs, die einen direkten Aufschlag auf die Windschutzscheibe verhindern.

Aktive Sicherheitssysteme wachsen überdurchschnittlich

Der Gesamtmarkt für Fahrzeug-Sicherheit wird von 48 Milliarden Euro im Jahr 2003 auf etwa 62 Milliarden Euro im Jahr 2010 wachsen, so die Mercer-Untersuchung. In Europa und Nordamerika profitieren Bremssysteme mit durchschnittlich 1,4 Prozent pro Jahr, passive Komponenten zum Insassenschutz wie Gurtsysteme und Airbags mit 4,3 Prozent, und aktive Sicherheitssysteme (so genannte Fahrer-Assistenzsysteme wie Spurwechselassistent oder ACC/Adaptive Cruise Control) gar mit 14 Prozent. Die Elektronik wird einen immer größeren Wertanteil an den aktiven und passiven Sicherheitssystemen ausmachen: Heute sind es etwa 27 Prozent, im Jahr 2010 werden es 35 Prozent sein. „Entscheidend für die Sicherheit im Auto sind immer weniger die Einzelsysteme, als vielmehr deren intelligente Vernetzung zu einem stimmigen Ganzen“, sagt Dr. Jan Dannenberg, Autor der Mercer-Untersuchung.

Die Hersteller versuchen, mit einer Vielzahl von innovativen Lösungen den Schutz von Fahrzeug, Passagieren und Fußgängern zu verbessern. Mit dem Pre-Safe-System der S-Klasse hat Mercedes-Benz als erster Hersteller ein System präsentiert, das aktive und passive Sicherheitskomponenten miteinander vernetzt und effektiver macht. Durch rechtzeitiges Erkennen eines Unfalls mit Hilfe der ESP-Sensoren werden zum Beispiel die Gurtstraffer aktiviert und der Fahrer in eine günstige Position gebracht. Zahlreiche Zulieferer arbeiten inzwischen an noch ambitionierteren Systemen dieser Art, zum Beispiel Delphi mit dem „Integrated Safety System“ (ISS) oder Continental mit dem „Aktiv-Passiv-Integrations-Ansatz“ (APIA).

Mit Sicherheits-Fahrgastzellen, fortgeschrittenen Gurtsystemen und ausgeklügelten Airbag-Systemen ist der Insassenschutz schon heute sehr weit entwickelt. Entsprechend wird es in Zukunft nur noch schrittweise Verbesserungen geben. Die wichtigste Neuerung stellen miteinander kombinierte Innenraum-Sensoren dar, die Größe, Position und Bewegung der Passagiere erkennen und die Sicherheitssysteme darauf einstellen können. Die Vernetzung aller Insassenschutz-Komponenten stimmt Gurte, Sitzposition und Airbags für jede denkbare Situation optimal aufeinander ab. Es wird elektrische Gurtantriebe geben, variable Gurtstraffer, aufblasbare Gurte, neue Gurtmaterialien und mehrstufige Airbags für fast jeden Bereich im Auto.


Das nächste Jahrzehnt gehört der Fahrer-Assistenz

Die aktive Sicherheit eines Autos dient der Vermeidung von Unfällen: durch intelligente Bremsen und Fahrwerke und durch Außensensoren. Einige aktive Sicherheitssysteme gibt es bereits heute schon mit ABS, ESP, Einparkhilfe oder Reifendruckkontrolle. Relativ neu sind die adaptive Geschwindigkeitsregelung, die automatisch den Abstand zum voraus fahrenden Wagen hält, und das mitlenkende Kurvenlicht.

Der Markt für Fahrer-Assistenzsysteme wird allein in Europa und Nordamerika bis 2010 mit durchschnittlich 14 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro wachsen. In Zukunft werden Abstandssensoren vor Auffahrunfällen warnen und Straßensensoren vor Eis. Spurführungs- und Spurwechsel-Hilfen sowie ein Stop-and-Go-Automat werden Autobahnfahrten und Staus komfortabler gestalten. Ein adaptives Licht passt die Straßenausleuchtung automatisch an die vorherrschenden Verhältnisse an, und auf Wunsch fährt ein Einpark-Assistent selbsttätig in Parklücken. Das Auto der Zukunft soll sogar Konzentrationsmängel des Fahrers frühzeitig erkennen und davor warnen können. Nach dem Unfall wird die Benzinpumpe automatisch abgeschaltet und ein Notruf abgesetzt. Künftig wird das GPS die Rettungsmannschaften auch an den Unfallort führen können.

Bereits in naher Zukunft wird das heutige ESP mit Bremseingriff zu einem ESP II mit zusätzlichem Lenkeingriff. Die heute hydraulische Lenkung wird bei Kleinwagen von der elektro-hydraulischen abgelöst, die wesentlich einfacher konstruiert ist. Aber auch ihre Ablösung durch die rein elektrische Lenkung („steer-by-wire“) nach 2010 ist absehbar.

Sicherheit als Kernelement der Automobilmarke

Der Autofahrer verlangt mehr Sicherheit im Fahrzeug. Einige Automobilhersteller, allen voran die Marken Audi, Mercedes-Benz, BMW, aber auch Renault oder Volkswagen, werden daher Sicherheit zu einem der zentralen Elemente ihres Markenkerns ausbauen und sich hierüber auch stärker differenzieren. Dabei sind zwei Strategien für die Ausrichtung von Herstellern und Zulieferern zu empfehlen.

Automobilhersteller, bei denen Sicherheit zum markenprägenden Element wird, müssen die Integrationsleistung für Sicherheitssysteme sowie ausgewählte Kernkomponenten daraus im eigenen Hause stark ausbauen. Hiervon sind insbesondere die Forschung, Vor- und Konzeptentwicklung betroffen, aber auch bei der Serienentwicklung die Softwareerstellungsarbeiten und in der Produktion die Herstellung von komplexen, mechatronischen Komponenten. Nur so kann sichergestellt werden, dass eine dem Markenbild entsprechende Lösung für aktive und passive Sicherheit entstehen und vor allem abgesichert werden kann. Einzelkomponenten und -module werden dann von Spezialisten geliefert. Dies können durchaus auch die großen Zulieferer der Branche sein. Beispiele hierfür sind BMW, der die Auslegung des aktiven Fahrwerks (zum Beispiel Fahrdynamikregelung) bei allen BMWs selbst gestaltet, oder Mercedes-Benz mit der elektro-hydraulischen Bremse bei der E-Klasse.

Für alle anderen Fahrzeughersteller wird Sicherheit zur „commodity“ und von den großen externen Systemlieferanten zugekauft. Hier werden sich einfachere Systeme durchsetzen, die mit vergleichsweise geringen Kosten deutliche Verbesserungen in punkto Sicherheit bieten. Anstelle von Fahrer-Assistenzsystemen mit aktivem Eingriff in Fahrwerk, Lenkung oder Bremse werden sich hier Frühwarnsysteme durchsetzen.

Ziel der Entwicklung ist bei der aktiven Sicherheit ein zentrales elektronisches Fahrwerksystem, das gleichzeitig Bremse, Lenkung und aktive Federung kontrolliert – und das alle Funktionen von ABS, ESP sowie neue Assistenz-Möglichkeiten integriert. Gleiches gilt für die passive Sicherheit. Die traditionellen Geschäftsmodelle der Zulieferer geraten in Gefahr. Gewinner sind einerseits die großen Sicherheitssystem-Integratoren wie TRW, Delphi, Autoliv, ZF, Takata-Petri, ZF, Bosch oder Continental als Lieferanten kompletter, integrierter Sicherheitssysteme, und andererseits spezialisierte Komponentenhersteller als Lieferanten der zweiten Ebene. Die Mitte, wie etwa reine Bremssystem-Lieferanten, wird durch die neuen Technologien akut bedroht.

Internationale Partnerschaften bei Sicherheit

Bereits für die Weiterentwicklung vom heutigen ESP zu ESP II müssen Kompetenzen sowohl in Brems-, Fahrwerk- als auch in Lenksystemen vorhanden sein. Bei den Entwicklungs- und Herstellungsprozessen der Zukunft muss das traditionelle, eher hierarchisch geprägte Zusammenspiel zwischen Automobilherstellern, Zulieferindustrie und Dienstleistern abgelöst werden durch Wertschöpfungspartnerschaften, die die bisherigen Rollen neu definieren. Die richtige Partnerwahl und das Management solcher eng verknüpften Wertschöpfungsnetze werden für den zukünftigen Erfolg von Marken und Automobilherstellern eine entscheidende Rolle spielen.

Diese Partnerschaften berücksichtigen zunehmend auch die Anforderungen der Internationalisierung. Plattformen und Modularisierungsstrategien der Fahrzeughersteller führen dazu, dass weltweit gleiche Fahrzeugarchitekturen eingesetzt werden. Ford of Europe, Mazda und Volvo nutzen heute im B-Segment die gleiche Plattform. Die Delta- oder Epsilon-Plattform von GM wird international bei verschiedenen Marken eingesetzt, und VW erhöht seinen Gleichteileanteil global. Auch deutsche Allianzen müssen zukünftig auf eine internationale Basis gestellt werden.

Mercer-Berater Dannenberg: „Nicht nur für die Autohersteller, auch für die Zulieferer gilt es, rechtzeitig in die richtige Partnerschaft zu investieren. Neben der Stellung im Netzwerk wird die Softwarekompetenz eine weitere Schlüsselrolle für die Zukunft von Zulieferern spielen. Sie wird zum zentralen ‚Value Spot‘ der Sicherheitstechnik – dem Ort, an dem zukünftig die größte und profitabelste Wertschöpfung erbracht wird.“



Ansprechpartner
Pierre Deraëd
Leiter Corporate Communications
pierre.deraed@mercermc.com
Mercer Management Consulting
Marstallstraße 11
80539 München
Tel.: 089.939 49 599
Fax: 089.939 49 507
www.mercermc.de



Mercer Management Consulting

Mercer Management Consulting ist Teil von Mercer Inc., New York, einer der führenden internationalen Unternehmensberatungen mit 160 Büros in 40 Ländern. Weltweit erwirtschaften 16.000 Mitarbeiter einen Umsatz von 2,7 Milliarden US-Dollar. Die Büros in München, Stuttgart, Frankfurt, Düsseldorf und Hamburg tragen mit 470 Mitarbeitern zu diesem Erfolg bei.

Die Beratungsleistungen von Mercer Management Consulting fokussieren auf Strategien zur Wertsteigerung. Dabei bildet Value Growth – die nachhaltige Steigerung des Unternehmenswertes – den Schwerpunkt. Mercer steht dafür, Wachstumspotenziale aufzuzeigen und konsequent zu nutzen, Wachstumsbarrieren zu erkennen und zu überwinden sowie Strategie, Führung, Organisation, Geschäfts- und Managementprozesse gemeinsam mit den Kunden nachhaltig auf Wertwachstum auszurichten.

Unseren Kunden steht mit den Bereichen – Automotive – Communications, Information & Entertainment – Industries – Travel & Transportation – Retail, Consumer & Healthcare – Energy & Life Sciences – eine breite Palette von Beratungsdienstleistungen zur Verfügung. Zudem bietet Mercer seinen Kunden ein breites Produktangebot im Bereich Private Equity und M&A an.
Der gesamte Bereich Financial Services wird von der weltweit führenden Strategie- und Risikomanagementberatung Mercer Oliver Wyman verantwortet.

Durch die Einbindung in das weltweite Netz der Muttergesellschaft Marsh & McLennan Companies (Umsatz über 11 Milliarden US-Dollar; 60.000 Mitarbeiter) steht den Kunden von Mercer die gesamte Palette professioneller Dienstleistungen für Risiko- und Versicherungsmanagement, Vermögensverwaltung und Unternehmensberatung zur Verfügung. Zusammen mit den Schwesterunternehmen Marsh und Putnam Investments verfügt Mercer somit über ein umfassendes Analyse-, Beratungs- und Produktangebot.


Web: http://www.mercermc.de


Für den Inhalt der Pressemitteilung ist der Einsteller, Konrad Schiller, verantwortlich.

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