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„UBA-Sachstandspapier“ zur Mülltrennung: Separate Abfallsammlung kein Selbstzweck

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Kunststoffrecycling ist die ökonomische und ökologische Achillesferse des Grünen Punktes


Berlin - Derzeit testen verschiedene Unternehmen in aufwändigen Versuchen, wie gut eine maschinelle Trennung funktioniert, falls so genannte Leichtverpackungen - also Kunststoff-, Metall-, Verbundverpackungen – nicht getrennt erfasst werden. Das Umweltbundesamt (UBA) http://www.umweltbundesamt.de begleitet einige dieser Versuche und wird die Erkenntnisse unter Umweltschutzgesichtspunkten auswerten. Es hält „eine stärker auf stoffstromorientierte Ressourcenschonung ausgerichtete Neuorientierung der Abfallwirtschaft für erforderlich. Wesentliche Bausteine dieser ressourcenschonenden Abfallwirtschaft sind auch weiterhin die weitgehende und hochwertige Verwertung sowie die Ausschleusung schadstoffhaltiger Abfallströme oder –produkte“, führt das UBA aus. Bisher gilt, dass die sogenannte werkstoffliche Verwertung der weitgehend sortenrein gewonnenen Abfälle den höchsten Beitrag zur Ressourcenschonung leistet.

„Dabei ist die separate Erfassung nicht als Selbstzweck zu sehen. Die derzeit praktizierte getrennte Sammlung kann jedoch hinsichtlich Qualität und Quantität der erfassten Abfälle und auch im Hinblick auf die Kosten optimiert werden. Gleichzeitig gibt es für die Herstellung der erforderlichen Sortenreinheit mittlerweile technische Entwicklungen - etwa optimierte Sortiertechniken, neue Entsorgungssysteme -, die möglicherweise die getrennte Sammlung für einzelne Abfallarten zukünftig entbehrlich werden lassen“. Auch in Zukunft sei die Abfalltrennung für Papier, Pappe, Kartonagen (PPK), Verbundkarton, Behälterglas, Bildschirmglas, Textilien, Elektronik-Geräte und Leuchtstoffröhren sinnvoll, „weil sich hierfür keine aussichtsreichen Alternativen abzeichnen“. Kunststoffe sucht man in dieser Aufzählung vergeblich: Die getrennte Sammlung von gebrauchten Kunststoffverpackungen sei nach Ergebnissen aktueller umweltbezogener Vergleiche von Entsorgungsvarianten nur dann sinnvoll, „wenn die getrennt erfassten Kunststoffabfälle einer werkstofflichen Verwertung zugeführt werden, bei der Primärkunststoffe substituiert werden. Die rohstofflichen Verfahren, die beim Entsorgungssystem des Grünen Punktes für die Mischkunststoffe überwiegend zum Einsatz kommen, weisen nach Erkenntnissen des UBA geringere ökologische Vorteile auf.

In der Entsorgungswirtschaft bewertet man das UBA-Papier positiv, sieht aber auch Schwachpunkte. "Wir begrüßen eine stärkere Stoffstromorientierung - wie sie im übrigen bei dem in viele Ströme gespaltenen Hohlglas nicht verwirklicht ist. Die Aussage des Umweltbundesamtes, dass eine separate Erfassung nur dann durch nachträgliche Aufbereitung gemischt erfasster Abfälle ersetzbar wäre, falls diese mindestens dieselbe Leistung hinsichtlich Menge und erforderlicher Reinigung erbringt, übersieht vollends, dass kaum noch eine der separat erfassten Wertstoffmengen ohne nachträgliche Sortierung und Bereinigung von Verschmutzungen und Fremdstoffen vonstatten geht. Wenn bei einer Fehlwurfquote von durchschnittlich 40 Prozent eine Materialfraktion ohnehin aufbereitet werden muß, hätte sie im Grunde auch gleich gemeinsam mit anderen Stoffen erfasst werden können", sagt Wolfgang Schertz, Vorstandschef der Mainzer Landbell AG http://www.landbell.de.

So mache die getrennte Erfassung mancher Wertstoffe in Großstadtkernen nur noch selten Sinn. Zudem sollte sich das UBA intensiver mit der Erlösseite auseinandersetzen. "Die Verwendbarkeit von Abfällen und der ökonomische Sinn der Getrenntsammlung kommt in der Analyse zu kurz. Es ist einfach absurd, dass der Lieferant von Sekundärrohstoffen auch noch Geld dazu legen soll. Abfälle, die am Markt nur Negativpreise erzielen, verfälschen in- und ausländische Märkte und stellen vollkommen falsche Weichen für Investitionen", moniert Schertz.

Vertreter aus Industrie und Verpackungswirtschaft zweifeln vor allen Dingen an der Getrenntsammlung von Kunststoffverpackungen, die in der Konsumgüterbranche zum Einsatz kommen. In der Regel würden Kunststoffe aus den Sammlungen des Dualen Systems (DSD) http://www.gruener-punkt.de nach dem Gebrauch verbrannt oder im ‚Downcycling’ zum Ersatz von Holz, Beton oder ähnliches verarbeitet. Eine positive Energiebilanz könnten die Verwertungsbetriebe mit den herkömmlichen Verfahren nicht gewährleisten und nur minderwertige Endprodukte herstellen wie Parkbänke, Blumenkübel oder Rasengittersteine, die man nur mit Zuzahlungen vermarkten könne. Auch die rohstofflichen Verfahren, die immerhin rund die Hälfte der Altkunststoffe des DSD aufnehmen, seien eine verkappte Verbrennung – beispielsweise in Hochöfen der Stahlindustrie. „Kunststoffverpackungen, die vom Grünen Punkt-System zur Verwertung gesammelt werden, sind nicht sortenrein und eignen sich daher nur schwer zum Recycling. So gibt es Verpackungen, bei denen man bis zu sieben unterschiedliche Schichten unterschiedlicher Kunststoffe einsetzt und nur durch komplizierte chemische Prozesse voneinander trennen kann. Für die Aufbereitung werden Unmengen an teuren Ressourcen wie Wasser und Energie verschwendet,“ so Ulrich Klemp, Inhaber der Ulrich Klemp Kunststoffverarbeitung GmbH & Co. KG. In der Produktion seiner Firma kommen nur sortenreine Altkunststoffe zum Einsatz, die im eigenen Betrieb als Ausschuss anfallen. Die Abfälle werden wieder zu Granulat gemahlen und nur zu einem geringen Prozentsatz dem neuem Granulat beigemischt. Mit DSD-Kunststoffabfällen sei das nicht möglich und ökonomisch nicht vertretbar.

Nach Berechnungen von Umweltexperten verschlingt das Kunststoffrecycling des Grünen Punktes rund 800 Millionen Euro jährlich. Der überwiegende Teil werde dabei für die Sammlung und Sortierung verwendet. Rund 197 Millionen Euro nur für die Verwertung. Insgesamt liege der Anteil der Entsorgungskosten für DSD-Kunststoffe bei 47 Prozent. Die Gesamtausgaben des Kölner Müllkonzerns für alle Verpackungsarten lagen 2003 bei 1,659 Milliarden Euro. Hier sehen Lizenznehmer des Grünen Punktes eine mangelnde Kostenehrlichkeit in der Preispolitik des DSD, da die Kunststoffverpackungen nur einen Anteil von 13 Prozent ausmachen aber fast die Hälfte der DSD-Ausgaben verursachen. Glas-, Metall-, Verbund- und PPK-Verpackungen seien viel preiswerter zu entsorgen, wenn man das teure Plastikrecycling nicht mitfinanzieren müsste. Auch mit der neuen Preisstaffel des Grünen Punktes, die ab Anfang des nächsten Jahres in Kraft tritt, werde sich an dieser Problematik nichts ändern.

Das UBA beobachtet mit großem Interesse Aktivitäten, die darauf zielen, Kunststoffe mittels neuer Sortierverfahren aus dem Restabfall zu gewinnen. Orientierende Untersuchungen zeigen die Möglichkeit, dass sich sowohl Verpackungskunststoffe als auch andere Kunststoffprodukte direkt aus der Grauen Restmülltonne mit ähnlicher Qualität, aber deutlich höherer Gesamtmenge an Kunststoffabfällen als bei getrennt gehaltenen Verpackungskunststoffen zurück gewinnen lassen. Das UBA wird deshalb Großversuche zu Möglichkeiten und Grenzen der Optimierung der wertstofflichen Verwertung von Kunststoffabfällen durch direkte Sortierung aus dem behandelten oder unbehandelten Restmüll beobachten und auswerten. Die Verpackungsabfälle aus Kunststoff, Papier, Eisen, Aluminium und Verbundmaterial werden beim Grünen Punkt überwiegend über Gelbe Tonnen und Säcke gemeinsam erfasst. „Die Sortierung in die einzelnen Sekundärrohstoffqualitäten bis hin zu einzelnen Kunststoffsorten und die Abtrennung des in einigen Regionen sehr hohen Restmüllanteils erfordern eine aufwändige Sortierung“, so das UBA.



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