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Warum Deutschland keine Ideen mehr hat

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Den Wettbewerb um das Smartphone der Zukunft verfolgen Deutschlands Unternehmen nur als Zaungäste. Mit dem enormen Innovationstempo von Google, Apple und Microsoft können sie seit Jahren nicht mehr Schritt halten. Zwar sind deutsche Unternehmen mit ihrer


Den Wettbewerb um das Smartphone der Zukunft verfolgen Deutschlands Unternehmen nur als Zaungäste. Mit dem enormen Innovationstempo von Google, Apple und Microsoft können sie seit Jahren nicht mehr Schritt halten. ...

Den Wettbewerb um das Smartphone der Zukunft verfolgen Deutschlands Unternehmen nur als Zaungäste. Mit dem enormen Innovationstempo von Google, Apple und Microsoft können sie seit Jahren nicht mehr Schritt halten. Zwar sind deutsche Unternehmen mit ihrer überragenden Qualität in vielen Bereichen der Wirtschaft Weltmarktführer. Doch wenn es darum geht, schnell neue Ideen zu generieren und erfolgreich auf den Markt zu bringen, sind sie bestenfalls Mittelklasse. Denn ihre perfekten Prozesse, die primär auf Effizienz und Fehlerminimierung setzen, verhindert oft systematisch das Entstehen neuer Ideen. Insbesondere folgende vier Faktoren behindern die deutschen Unternehmen im globalen Ideenwettbewerb.


Innovationsbremse 1: Starre Strukturen

Die meisten deutschen Unternehmen sind durch klare Zuständigkeiten und Hierarchien geprägt. Dieses Bereichsdenken macht Unternehmen äußerst effizient. Zugleich ersticken diese Strukturen jedoch den größten Teil des kreativen Potentials. Denn Ideen entstehen immer dort, wo Grenzen aufeinanderstoßen und Reibung entsteht.
Als bei Karstadt noch darüber diskutiert wurde, wie das Internet Konsumenten in Zukunft beeinflussen wird, setzte Amazon-Chef Jeff Bezos bereits auf vollkommen neue Unternehmensstrukturen: Kleine wendige Teams, die er nach der "Zwei-Pizzen-Regel" zusammenstellte: Sobald ein Team mehr als 2 Pizzen essen kann, wird es geteilt.


Innovationsbremse 2: Die Regelwut

Regelfreie Zonen sind in deutschen Unternehmen nahezu unbekannt. Wer Ideen hat, soll sie in den dafür vorgesehenen Prozess einbringen. In vielen Unternehmen ähnelt das Ideen- und Innovationsmanagement mittlerweile einem bürokratischen Monster. Es gibt genaue Vorschriften, wie Ideenformulare auszufüllen und Ideen zu begründen sind. Was für ein Unterschied zu Unternehmen wie Google, in denen Mitarbeiter freie Zeit bekommen, um an eigenen neuen Ideen zu arbeiten. Denn Ideen brauchen in ihrer Entwicklungszeit bis zur Marktreife etwas, was im Tierreich den Namen "Welpenschutz" trägt: Einen geschützten Raum, in dem sie in Ruhe reifen können.


Innovationsbremse 3: Das Bedürfnis nach Kontrolle

In den weltweit innovativsten Unternehmen gibt es Führungsprinzipien, die in deutschen Firmen größtenteils undenkbar sind. Beispielsweise, dass sich Mitarbeiter Aufgaben selbst suchen, sich Teams von Mitstreitern selbst zusammenstellen und Innovationen entwickeln, ohne dass das Topmanagement zu 100 Prozent weiß, was die Mitarbeiter eigentlich treiben. Der Gedanke dahinter ist einfach: Mitarbeiter, die sich ihre Entwicklungsprojekte selbst suchen dürfen, sind schneller, ideenreicher und produktiver als Mitarbeiter, die eine Aufgabe delegiert bekommen.


Innovationsbremse 4: Die Angst, nicht perfekt zu sein

Beim amerikanischen Handy-Hersteller Research in Motion gibt es die "9 von 10"-Regel. Neun Mal muss etwas schief gehen, damit es beim zehnten Mal funktioniert. Und der indische Tata-Konzern zeichnet beim jährlichen Wettbewerb "Innovista" eine Innovation aus, die ernsthaft versucht wurde, dann aber gescheitert ist. Durch solche Regeln, Philosophien und Maßnahmen wollen diese Unternehmen vor allem eines ausdrücken: Scheitern willkommen! Sie haben erkannt, dass es Innovation mit Vollkaskoschutz nicht gibt. Scheitern ist in diesen Unternehmen nichts Negatives.

Unter den 50 weltweit innovativsten Unternehmen waren 2010 erstmals vier chinesische Unternehmen, daneben elf Unternehmen aus anderen asiatischen Staaten. Zum Vergleich: Deutsche Unternehmen stehen nur drei auf dieser Liste. Deutschland kann offenbar alles exportieren - außer Ideen.
Jens-Uwe Meyer


Das Buch zum Thema

Jens-Uwe Meyer
Kreativ trotz Krawatte
Vom Manager zum Katalysator - Wie Sie eine Innovationskultur aufbauen

1. Auflage BusinessVillage 2010, 240 Seiten, zahlreiche Abbildungen
ISBN 978-3-869800-73-8 24,80


300 DPI Coverabbildung: http://www.businessvillage.de/cover-836
Link zum Buch: http://www.businessvillage.de/eb-836.html



Der Autor

Jens-Uwe Meyer ist Geschäftsführer der Ideeologen - Gesellschaft für neue Ideen GmbH, Baden-Baden. Er hat an der Handelshochschule Leipzig einen Lehrauftrag für "Corporate Creativity". Im September 2010 erschien sein neues Buch "Kreativ trotz Krawatte - Vom Manager zum Katalysator: Wie Sie eine Innovationskultur aufbauen" (www.kreativ-trotz-krawatte.de). Kontakt: Tel.: 0700/4333-6783; Email: meyer@ideeologen.de; Homepage: http://www.ideeologen.de



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