info@PortalDerWirtschaft.de | 02635/9224-11
Suchmaschinenoptimierung
mit Content-Marketing - Ihre News
Criticón |

Ein Streiter für die Einheit: Vor zwanzig Jahren verstarb Matthias Walden

Bewerten Sie hier diesen Artikel:
1 Bewertung (Durchschnitt: 4)


Criticón würdigt den Publizisten in einem Autorenporträt


Bonn/Berlin - Vor fünf Jahren – also pünktlich zum 15. Todestag – brachte Bettina von Saß ein Buch mit dem Titel „Er war ein guter Feind“ heraus. Es enthielt die Stimmen von ehemaligen Kritikern ihres Vaters, des Publizisten Matthias Walden, der am 17. November 1984 in Berlin gestorben ist. Die Tragik dieses relativ frühen Todes – Walden ist nur 57 Jahre alt geworden – liegt darin, dass er die Verwirklichung seines Lebensthemas nicht mehr erleben durfte: Fünf Jahre später, am 9. November 1989, sollte die von ihm gehasste Mauer fallen.

Walden hat die Einheit Deutschlands immer herbeigewünscht und gleichsam „herbeigeschrieben“, auch als er dafür nur noch die Verachtung derjenigen erntete, die den „Wandel durch Anbiederung“ predigten. Die Winterausgabe der Zeitschrift Criticón http://www.criticon.de wird Walden mit einem großen Autorenporträt würdigen.

Walden wurde am 16. Mai 1927 in Dresden als Otto Baron von Saß geboren. Er wuchs in einem streng antinazistischen Elternhaus auf. Kein Wunder, dass er als junger Journalist die neue Unfreiheit in der Ostzone nicht ertrug und 1950 in den Westen floh. Zum Schutz der zurückgebliebenen Eltern nahm er das Pseudonym Matthias Walden an; so hatte einst der Protagonist eines Kriminalromans geheißen, den er als Kind geschrieben hatte. Diejenigen, die sich heute noch an den Publizisten Walden erinnern, werden ihn mit dem Springer-Verlag in Verbindung bringen. Und in der Tat, bis zu seinem Tod schrieb er für fast alle wichtigen Erzeugnisse des Verlags und war von Axel Springer zum Nachfolger ausersehen worden. Eine heimtückische Krebserkrankung machte diese Nachfolgeregelung zunichte. Vierzehn Tage vor seinem Tod erschien sein letzter Artikel „Von der demokratischen Wertordnung zur demokratischen Weltordnung“, der sich wie ein Vermächtnis liest.

Springer hätte Walden schon in den sechziger Jahren gern als festen Mitarbeiter gewonnen. Dieser dachte aber vor allem an seine treuen Zuhörer in der „Zone“, die seinen Radiokommentaren lauschten, um etwas vom Wert der Freiheit und der Einheit zu hören. Wenn Walden sprach, waren die Straßen buchstäblich leergefegt. In West-Berlin arbeitete er zunächst sechs Jahre lang als Redakteur und Kommentator beim RIAS. 1956 ging er dann zum SFB, wo er als stellvertretender Chefredakteur und dann als Chefkommentator wirkte. Der zunehmende Linkstrend des SFB, der ihm die Tätigkeit Ende der 70er Jahre unmöglich machte, führte ihn dann endgültig zum Springer-Verlag. Er wurde Mitherausgeber der WELT und schließlich alleinvertretungsberechtigter Geschäftsführer und Springers Stellvertreter als Vorsitzender der Geschäftsführerkonferenz.

In den 50er Jahren handelte man Walden als „Linken“ ab, weil er gegen einige braune Umtriebe in der Bundesrepublik mit der Schreibmaschine ankämpfte. Konrad Adenauers Haltung gegenüber ehemaligen Parteigenossen in Justiz, Armee und auch in der Politik fiel nicht gerade „pingelig“ aus. Für Walden war aber stets klar: Zwischen dem roten und dem braunen Totalitarismus gibt es höchstens einen akademischen Unterschied. Für die Opfer dieser Ideologien sei es nebensächlich, ob sie wegen Hitlers Rassenlehre oder der kommunistischen Heilslehre ermordet worden seien. Seine frühe Kritik an der Bundesrepublik lautet: „Es gibt zu wenige Anti-Nazis“. Die Vorwürfe des vermeintlich antifaschistischen Arbeiter- und Bauern-Staates, wonach die Bundesrepublik von Nazis bevölkert sei, hielt er hingegen für böswillige Propaganda.

In den 60er, 70er und 80er Jahre sahen viele Linke in Walden einen „Rechten“. Dies lag aber vor allem darin begründet, dass sich das politische Koordinatensystem im westlichen Deutschland stark nach links verschoben hatte. Walden ließ sich aber auch nicht den Mund verbieten, als sein Antikommunismus auf einmal nicht mehr schick war. Er bekämpfte die östlichen Tyranneien weiterhin mit der Kraft des Wortes. Dass ihm der heutige EU-Obermoralist „Dany“ Cohn-Bendit nach einer Fernsehdiskussion den Handschlag verweigerte, kann noch als schlechte Kinderstube durchgehen. Dass die Familie über eine Geheimnummer verfügte und es eine Art Geheimausgang vom Waldenschen Reihenhaus ins Nachbarhaus gab und Springer-Redakteure bedroht wurden, sagt jedoch viel über die Diskussionskultur der angeblich so antiautoritären und anti-repressiven Linken in unserem Lande aus. Ein Mann wie Walden wirkte zur Zeit der Studentenproteste, des Links-Terrorismus und der betont pragmatischen neuen Ost- und Deutschlandpolitik für viele wie ein Fossil. Insbesondere im Kreis seiner journalistischen Kollegen verfügten wenige über sein Rückgrat und seine Standfestigkeit.

Anders als seine linken Kritiker kann Matthias Walden als Moralist bezeichnet werden. Er war kein zynischer Macht- oder Realpolitiker. Ihm ging es zuallererst immer um die Menschenrechte. Die Freiheit Berlins, die Einheit Deutschlands, die transatlantische Partnerschaft, ein enges Vertrauensverhältnis zu Israel, ein wehrhafter Antitotalitarismus, der Wert von Arbeit und Leistung, der Glaube an Gott, der einem innere Sicherheit verleiht: Das waren Waldens Hauptthemen, die er immer wieder variierte. Er war eher ein Generalist, den das tägliche Klein-Klein des politischen Treibens nicht sonderlich interessierte. Dabei war Walden ein Stilist von hohen Graden und immer um Klarheit und Verständlichkeit bemüht. Seine bilderreiche Sprache traf den richtigen Ton, ganz gleich, ob er nun Kommentare für den Rundfunk sprach oder für die BILD, die WELT, WELT am Sonntag oder QUICK schrieb und für HÖRZU Prominente wie Hans Rosenthal oder Peter Frankenfeld porträtierte. Karl-Eduard von Schnitzler oder Michael Jürgs belegten ihn mit dem bösen Wort „Herrenreiter“. Dies ist eine grandiose Fehleinschätzung, die dem sehr differenziert denkenden und schreibenden „Schöngeist“ Walden nicht gerecht wird. Es trifft lediglich zu, dass das Reiten wohl die einzige mit Leidenschaft betriebene sportliche Betätigung des eher nicht der Leibesertüchtigung zugetanen Walden gewesen ist.

Wahrscheinlich kann man Matthias Walden heute besser verstehen als zur Zeit seines Todes. Nicht die ostpolitischen Leisetreter, die spätestens in den 70er Jahren den festen Glauben an die Wierdervereinigung als Lebenslüge oder nationalistische Verirrung denunzieren wollten, sind von der Geschichte bestätigt worden, sondern mutige und unbeugsame Menschen wie Matthias Walden, der über die geteilte Nation sagte: „Die Teilung Deutschlands ist ein Unrecht. Deshalb bleibt die deutsche Frage offen, deren Antwort nicht die Zweistaatlichkeit, sondern nur die Einheit in Freiheit sein kann. Wer die deutsche Frage für nicht mehr offen erklärt, gibt eine verräterische, eine kleinmütige Antwort, die sich vor dem Unrecht beugt.“ Matthias Walden hätte das erbärmliche Geschachere um den deutschen Nationalfeiertag sicherlich unwürdig gefunden. Aber in puncto Noblesse und Stil konnten es seine Gegner, ob sie nun Bahr, Böll, Grass, Gaus, Cohn-Bendit oder sonstwie hießen, noch nie mit ihm aufnehmen.

Grundlage des Autorenporträts Matthias Walden sind dessen Buchpublikationen und die Vielzahl der Texte, die er im Laufe seines rund vierzigjährigen Berufslebens verfasst hat. Ansgar Lange, Chefredakteur von Criticón und Autor des Beitrages, hat umfangreiche Recherchen im Unternehmensarchiv des Springer-Verlages durchgeführt. Außerdem führte er Gespräche mit Weggefährten wie Ernst Cramer und der Tochter von Matthias Walden, Bettina von Saß. Walden soll den Vorurteilen seiner zahlreichen Kritiker, die ihn gern in der Schublade mit der Aufschrift „rechtskonservativ“ abgelegt haben, entzogen werden. Ziel ist eine Art Lebensbild, das der Persönlichkeit Waldens gerecht wird und Stärken wie Schwächen fair darstellt und gewichtet.

Die Zeitschrift Criticón erscheint vierteljährlich. Das Einzelheft kostet 8,20 Euro. Bestellungen per Fax unter 0228-6204475, per E-Mail: redaktion@criticon.de oder über die Website www.criticon.de.


Für den Inhalt der Pressemitteilung ist der Einsteller, Ansgar Lange, verantwortlich.

Pressemitteilungstext: 1022 Wörter, 7521 Zeichen. Als Spam melden


Kommentare:

Es wurde noch kein Kommentar zu diesem Thema abgegeben.



Ihr Kommentar zum Thema