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Walter Lippmann – Pionier der Medienwirkungsforschung und Leitfigur für das deutsch-amerikanische Verhältnis

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Bonn - Professor Elisabeth Noelle, Gründerin und Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie in Allensbach am Bodensee, beschäftigt sich in der Winterausgabe des Wirtschaftsmagazins Criticón http://www.criticon.de mit dem Publizisten Walter Lippmann. Nach Auffassung der Meinungsforscherein sei er ohne Zweifel einer der bekanntesten und wirksamsten Journalisten des 20. Jahrhunderts gewesen. „Ohne jeden Vorläufer steht das Buch da, das er 1922 veröffentlichte, und dem er den Titel ‚Öffentliche Meinung’ gab. Seine Berühmtheit verdankt er aber nicht diesem Buch, sondern seiner Tätigkeit als amerikanischer Journalist. Zweimal in der Woche veröffentlichte er eine Kolumne, eine Art Leitartikel, die von zahlreichen Tageszeitungen abonniert wurde. Da sich die Verbreitungsgebiete vieler großer Tageszeitungen in den USA kaum überschneiden, kommt es zu keiner Kollision, dem ärgerlichen Gefühl von Zeitungslesern: ‚Das kenne ich doch schon.’ Zugleich erreichte Lippmann mit dem Abdruck seiner Kolumne , in fünfzig, sechzig und noch mehr Tageszeitungen, dass seine Sichtweise praktisch in den ganzen USA wahrgenommen wurde“, schreibt Noelle in Criticón.

Die große Leistung Lippmanns liege nicht darin, dass er das Wesen der öffentlichen Meinung erkannte. „In dem ganzen Buch gibt es nur zwei oder drei Definitionen von ‚öffentlicher Meinung’, und die sind geschraubt und unverständlich. Seine bahnbrechende Leistung liegt in seiner Entdeckung, wie Menschen untereinander kommunizieren können, nämlich nur durch die Bildung von Stereotypen, radikalen Vereinfachungen, Vereinfachungen dessen, was sie wahrnehmen, und die rigorose Bewertung als gut oder böse. Damit hatte Lippmann auch einen wesentlichen Grund für die starke Wirkung der Massenmedien entdeckt. Denn wie sonst als über Massenmedien konnten Stereotypen durchgesetzt werden“, fragt sich Noelle.

Mit der gleichen Klarheit des Urteils, der Orientierung, der er seinen Erfolg als Journalist, als Leitartikler, verdankte, schrieb Lippmann auch sein Buch „Öffentliche Meinung“.

Die Welt, sagte Lippmann, sei zu groß, zu weit, zu komplex um als Ganzes verstanden zu werden. Nur mit rigoroser Vereinfachung könne man sie überhaupt wahrnehmen. „Nicht die Wirklichkeit nehmen wir wahr, sondern rigorose Vereinfachungen. Die Bilder in unserem Kopf – daraus besteht für uns die Welt. Und da die Menschen verschiedene Überzeugungen, verschiedene Vorurteile haben, so leben sie auch in verschiedenen Welten, ‚Pseudowelten’. Die Pseudowelten, die Stereotypen als Kommunikationsmittel entdeckt zu haben, das ist die Leistung von Walter Lippmann“, führt die Allensbach-Geschäftsführerin aus.

„Die Welt, mit der wir es in politischer Hinsicht zu tun haben,“ schreibt Lippmann, „liegt außer Reichweite, außer Sicht, außerhalb unseres Geistes. Man muss sie erst erforschen, schildern und sich vorstellen. Der Mensch ist kein aristotelischer Gott, der die gesamte Existenz .umfasst. Er ist ein Geschöpf mit einer Entwicklung, das gerade eine Portion Wirklichkeit erfassen kann, die ausreicht, um sein Leben zu sichern und an sich zu reißen, was auf der Waagschale der Zeit nur ein paar Augenblicke der Erkenntnis und des Glückes bedeutet.“ Die Politikwissenschaftlerin Susanne Schlaack, die bei Professor Hans-Peter Schwarz über Lippmann promoviert hat, beleuchtet in der Criticón-Winterausgabe die Verbindungen von Walter Lippmann zu Deutschland.

Gerade aus deutscher Sicht sei Lippmann aktueller als man denken mag. „So war er bereits kurz nach dem Zweiten Weltkrieg überzeugt, dass die deutsche Wiedervereinigung nur mit der Einheit Europas – in dessen Mitte ein demokratisch handlungsfähiges, verlässliches und glaubwürdiges Deutschland seinen Platz habe – einher gehen könne. Die Geschichte gab ihm in diesem Punkt recht. Aus deutscher Sicht lohnt sich aber vor allem aus einem Grund seine Lektüre: Mit Lippmann lässt sich nachvollziehen, wie die Vereinigten Staaten zu der Weltmacht wurden, die sie noch heute sind. Mit Lippmann kann man jene Grundzüge amerikanischen Handelns und Denkens in Erinnerung rufen, die diese Nation in ihrem Nationalismus und Patriotismus so tief geprägt haben. Das nationale Interesse der Vereinigten Staaten ist Walter Lippmanns Handlungsmotiv. Streift man mit ihm durch das 20. Jahrhundert, erfährt man viel über jene Entscheidungsmomente, die das Entstehen der Weltmacht USA bedingen – immer vor dem Hintergrund des politischen Anstoßes, der aus Deutschland kam. Walter Lippmann ist hier beispielhaftes Sprachrohr eines sich festigenden nationalen amerikanischen Selbstbewusstseins, das gerade uns Deutschen viele Möglichkeiten und Chancen eröffnete und uns heute so großes Kopfzerbrechen bereitet. Der Blick auf Vergangenes lohnt sich, denn er lässt uns die Gegenwart und Zukunft bewusster werden. Vieles, was heute unerklärlich und unverständlich erscheint, hat seine Wurzeln in vergangenen Zeiten“, so Schlaack.

Die Vereinigten Staaten könnten Europa nicht missachten, wenn es eine ernstzunehmende Position vertreten würde. Walter Lippmann selbst verfolgte bereits früh die idealistische Vorstellung eines vereinten Europa, der „United States of Europe“, das als souveräner Partner militärisch und politisch an der Seite der Vereinigten Staaten gleichberechtigt handeln könne. Noch heute gehen Anspruch und Wirklichkeit in dieser Idee weit auseinander.

„Europa hat seine Hausaufgaben noch längst nicht erfüllt. Deutschland als einer der entscheidenden Antriebsmotoren in der heterogenen europäischen Politik, der Zerstrittenheit zwischen ‚altem’ und ‚neuem’ Europa, hat zudem eigene ‚deutsch-amerikanische’ Bewegungsmöglichkeiten eingebüßt. Die zuweilen nationalistische Weltmacht Amerika ist eben kaum zu bremsen, wenn man den gebührenden Einfluss auf die USA sinnlos verspielt. Da hilft es nicht, Außenpolitik auf Kosten von Innenpolitik zu betreiben, kurzsichtig zu handeln, undiplomatische Offenbarungen auf dem Marktplatz von Goslar laut tönend zu verkünden. Es hilft auch nicht, sture Positionen zu beziehen – scheinbar aus Trotz eines deutschlandweit verbreiteten Pazifismus, Antimilitarismus und immer stärker werdenden Antiamerikanismus – , die jedoch in die politische Sackgasse führen. Mit etwas mehr Geschick und mit dem Wissen um amerikanische Befindlichkeiten, mit der Sensibilität für das Schmieden europäischer Mehrheiten, hätte man die Weltmacht in ruhigere Bahnen leiten können. Ganz lässt sich die Geschichte eben nicht von der tagespolitischen Agenda streichen. Sie eröffnet zuweilen sogar ungeahnte Perspektiven“, führt Schlaack aus.

Walter Lippmann sagte einmal: „The thing that is easy to do isn´t worth doing when you´ve done it.” Dies sollte nach Auffassung von Schlaack vor allem deutschen Politikern Ansporn genug sein, bedacht und intelligent der besonderen Verantwortung Deutschlands im Verhältnis zu den USA gerecht zu werden und nicht allzu leichtfertig die Grundfesten deutscher Außenpolitik seit 1949 zu verspielen.

Die Zeitschrift Criticón erscheint vierteljährlich. Das Einzelheft kostet 8,20 Euro. Bestellungen per Fax unter 0228 – 6204475, per E-Mail: redaktion@criticon.de oder über die Webseite www.criticon.de


Web: http://www.criticon.de


Für den Inhalt der Pressemitteilung ist der Einsteller, Ansgar Lange, verantwortlich.

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