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'Hitlers Bombe' als Lehrstück für journalistischen Niveauverlust

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Rezensenten bekämpfen nachträglich das Atomwaffenprogramm der Nazis


Bonn – Sechzig Jahre nach Kriegsende steht ein Großteil der veröffentlichten Meinung in Deutschland noch immer im Bann des Nationalsozialismus. Diesen Eindruck gewinnt man zumindest beim Lesen der Artikel über das Buch "Hitlers Bombe" des Berliner Historikers Rainer Karlsch und des TV-Journalisten Heiko Petermann. Dass manche Journalisten wie aufgescheuchte Hühner herumlaufen, wenn es um das "Dritte Reich" geht, ist vielleicht noch verständlich. Nicht jeder bringt die Souveränität des Hitler-Biographen Joachim Fest auf, der davon spricht, dass der Nationalsozialismus keine moralischen Lehren bereit halte. Dass man nicht foltern und morden darf, sollte jedem einsichtig sein. Wer diese banalen Lehren nicht akzeptiert, den kann man sowieso vernachlässigen. Fest, der in diesen Tagen seine Notizen über die Gespräche mit dem "intelligenten Nazi" Albert Speer vorlegt, hat mustergültig gezeigt, wie ein Forscher vorgehen sollte: Die Geschichte des "Tausendjährigen Reiches" kann nur "kalt" beschrieben werden, ohne moralische Dauererregung. Nicht zuletzt aufgrund dieses distanzierten Blicks auf die Geschehnisse konnte der Film "Der Untergang" eine solche Suggestivkraft entfalten.

Bei der Diskussion über "Hitlers Bombe" wurden alle diese Regeln außer Kraft gesetzt. Journalisten taten so, als müssten sie Adolf Hitler noch nachträglich davon abbringen, auf die Atombombenforschung zu setzen. Selbstverständlich steht es jedem frei, das Buch negativ oder positiv zu besprechen. Zu viel Schaum vor dem Mund ist allerdings recht hinderlich, wenn einem Sachbuch Gerechtigkeit widerfahren soll. Bei manchen Rezensionen und Hinweisen auf "Hitlers Bombe" hat man jedoch den Eindruck: Hier soll ein Buch, ein Verlag – nämlich die DVA – und der Autor Rainer Karlsch – hingerichtet werden. Die Art der Auseinandersetzung hat dann etwas zutiefst Infantiles. Und Infantilität ist nicht erkenntnisfördernd.

Ein Beispiel für die Art des eigenartigen Umgangs ist ein Artikel in der Netzzeitung http://www.netzzeitung.de, für den Ronald Düker verantwortlich zeichnet. Düker macht es dem Verlag zum Vorwurf, das Buch "stapelweise in deutschen Buchhandlungen" platziert zu haben, so als sei es normal, wenn ein Verleger die eigenen Neuerscheinungen am liebsten unbemerkt in einer Ecke plazieren würde. Weiterhin ist von "Karlschs Machwerk" die Rede, für die sich "der Autor gleich reihenweise die verdienten Watschen abgeholt" habe. Dass eine anerkannte Koryphäe auf dem Gebiet der Uranforschung, der amerikanische Professor Mark Walker, hinter das Buch gestellt und die Erschließung wichtiger neuer Quellen herausgestellt hatte, passt nicht in Dükers Argumentation. Die von Karlsch behaupteten Testversuche auf Rügen und in Thüringen erschienen Walker "allenfalls ‚plausibel‘". In einer stilistischen Meisterleistung versteht es Düker, dem positiv besetzten Wort plausibel einen negativen Beiklang zu verleihen.

Und auch der Welt-Redakteur Sven Felix Kellerhoff, der sein eigenes Buch über "Hitlers Berlin" zurzeit in der Berliner Morgenpost http://www.berlin.morgenpost1.de und in der Welt am Sonntag anpreisen lässt, wählt eine knallige Überschrift in der Morgenpost: Karlschs These von Hitlers Kernwaffe sei "ein trübes Gebräu aus Hörensagen und Desinformation". Und der Augure Kellerhoff weiß schon jetzt, dass "Hitlers Bombe" sich "zu einem der größten Sachbuch-Flops des Jahres entwickeln" und "zum Fiasko für die als seriös bekannte Deutsche Verlagsanstalt" werden dürfte. Karlsch "phantasiere", bringe nur "reine Fiktion" und bringe sich nun um seinen guten Ruf. Mit Verbalinjurien lassen sich eben Zeilen füllen.

Ein deutlich besseres Bild als diese beiden Exempel, die sich mühelos ergänzen ließen, bietet insbesondere die Berichterstattung von Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) http://www.faz.net und Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS). Bisweilen konfrontiert man die "Zeitung für Deutschland" mit dem Vorwurf, sie sei nicht investigativ und lasse es an Spannung mangeln. Doch es gibt auch einen Reiz der Langsamkeit. Der Wissenschaftsjournalist der FAS Ulf von Rauchhaupt hat sich mit dem Buch gründlich auseinander gesetzt und hatte auch den nötigen Raum, um das Für und Wider der Karlschen Thesen umsichtig zu prüfen. Originalzitat von Rauchhaupt: "Die erhellenden neuen Details, die Karlsch über Gerlach, aber auch über Diebner ans Licht bringt, nagen damit auch an einem Gründungsmythos der kernphysikalischen Elite in der Bundesrepublik, der besagt, dass es im Dritten Reich zwei Sorten von leitenden Kernphysikern gab: zweitklassige Naziforscher wie Diebner und erstklassige Wissenschaftler, zu denen auch Gerlach zählte, die sich dem Regime, so gut es ging, entzogen. Da nur erstklassige Physiker Hitler eine Bombe hätten bauen können, konnte dieser also gar keine gehabt haben. Auch vor diesem Hintergrund ist die A-priori-Entrüstung über die Karlschschen Thesen verständlich."

Und auch die Süddeutsche Zeitung http://www.sueddeutsche.de bezeichnet Karlsch als einen "anerkannten Historiker". Der Wissenschaftshistoriker Mark Walker, der mit "Die Uranmaschine" ein Standardwerk über das Kernwaffenprogramm der Nazis geschrieben hatte, habe sich bemüht, die Rechercheleistungen des Buches darzustellen. So habe Karlsch in Moskauer Archiven Dokumente gefunden, die er vergeblich gesucht habe. Doch diese Rechercheleistung, so Marcus Jauer in der SZ, stehe nun im "Schatten des Titels, im Schatten der Bombe". Es ist ein eigenartiges Signal, wenn anhand des Titels eines Buches ein Verdammungsurteil über eine vierjährige Forschungsleistung gefällt wird.


Web: http://www.ne-na.de


Für den Inhalt der Pressemitteilung ist der Einsteller, Ansgar Lange, verantwortlich.

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