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Criticón im Gespräch mit Joachim Fest

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Bonn/Kronberg – Zurzeit ist der ehemalige FAZ-Herausgeber Joachim Fest ein gefragter Mann. Das Bild, welches sich die deutsche Öffentlichkeit auch aufgrund der Arbeiten Joachim Fests von Hitlers Lieblings-Architekt Albert Speer machte, wandelt sich. Die schuldhafte Verstrickung des einstigen Rüstungsministers in das Jahrhundertverbrechen an den europäischen Juden wird deutlicher. Auch wenn sich der Historiker und Publizist Joachim Fest vor allem für die italienische Renaissance interessiert hat und sehr gern eine politische Richard-Wagner-Biographie geschrieben hätte, bringen ihn die meisten Zeitgenossen in Verbindung mit Themen des "Dritten Reiches".

In der aktuellen Ausgabe des Magazins Criticón http://www.criticon.de zeichnet Chefredakteur Ansgar Lange den Lebensweg Fests in einem Autorenporträt nach. Nach einem Wort von Hermann Rudolph umgibt Fest ein "Hauch von bundesrepublikanischem Mandarinentum". Seit 1963 ist der Sohn eines Berliner Schulrats unermüdlich schriftstellerisch tätig und hat sich mit den Protagonisten des NS-Regimes, mit Adolf Hitler und Albert Speer, den Brüdern Mann, Utopien und der Gefährdung der freien Gesellschaft, Italien, dem Maler Horst Janssen und vielen anderen Gebieten beschäftigt. In einem ausführlichen Gespräch mit Lange geht Fest auf die prägende Gestalt seines Vaters ein, der für ihn ein großes Vorbild gewesen ist. Ähnlich wie sein Vater engagierte sich Fest im Nachkriegsberlin politisch in der CDU. "Ich hätte aber lieber über die italienische Renaissance oder Thomas Mann gelesen." Doch eine tiefe Abneigung gegen verrauchte Hinterzimmer und kleinkarierte Kungelrunden hat er sich bewahrt. Daher teilt er – zusammen mit seinem früheren Bekannten Rüdiger Altmann – die ins Ästhetische gehende Abneigung gegen Helmut Kohl, dessen provinzieller Politikstil ihm immer fremd geblieben ist. Zu Außenminister Joseph Fischer hatte Fest früher Kontakt. Er hält ihn zwar für "unglaublich belesen". Heute gebe er jedoch ähnlich gestanzte Worthülsen ab wie alle anderen Politiker auch.

Die Buchveröffentlichung "Das Gesicht des Dritten Reiches" sei ein "Katalysator" für seine Karriere gewesen, noch stärker als das 1973 erschienene Hitler-Buch, da viele Intellektuelle anschließend den Kontakt zu ihm suchten, unter anderem Hannah Arendt und Waldemar Besson. Der Stil von Eugen Kogongs "SS-Staat" habe ihn beeindruckt. Fortan habe auch er sich um besondere Kühle bei der Schilderung der NS-Zeit bemüht, da man dem Phänomen des Nationalsozialismus nur mit einem naturwissenschaftlichen Blickwinkel zu Leibe rücken könne.. Das "moralinsaure Geseiere", mit dem zurzeit vor allem die Fernsehhistoriker auftrumpften, sei ihm stets ein Greuel gewesen. Fünf Jahre seines Lebens widmete er sich dann dem "Gossenthema"- so ein Ausdruck von Fests Vater - und schrieb viel mehr als eine Biographie des "Führers". Spiegel-Herausgeber Rudolf Augstein habe ihm in dieser finanziell schwierigen Zeit sehr geholfen, da er als Berater des Spiegel-Verlages und Verantwortlicher für den Spiegel-Essay arbeiten konnte. "Dafür werde ich Rudolf Augstein immer dankbar sein", kommentiert Fest, der sonst nicht zu überschwenglichen Gefühlsbekundungen neigt.

Auch wenn der so genannte Historikerstreit mittlerweile fast 20 Jahre zurück liegt, gerät der distinguierte Fest bei der Schilderung der damaligen illiberalen Diskussionskultur immer noch in Rage. Habermas und Anhang hätten sich auf kurze Sicht durchsetzen können, so dass das liberale Deutschland der Verlierer dieser Auseinandersetzung gewesen sei. Heute – 60 Jahre nach Kriegsende – hat die Debatte über das "Dritte Reich" die damalige Verkrampfung abgelegt. Intellektuelle wie Habermas oder Historiker wie Heinrich August Winkler vollzogen einen Schwenk und inszenierten sich als Wegbereiter der "Westernisierung". Zuvor hatten Fest, Stürmer, Hildebrand, Hillgruber und Nolte noch als "NATO-Historiker" gegolten. Die Zeiten haben sich eben verändert.

Die derzeitige Lage in Deutschland erfüllt Fest mit Sorge und Skepsis. "Ludwig Erhard ist der toteste Mann unter den Politikern. Darin liegt unsere derzeitige Krise begründet. Sein Erbe ist total weg", schreibt er den gleichheitsverliebten Deutschen ins Stammbuch, die mit der Freiheit immer noch nichts anfangen können. "Die Deutschen mögen es, wenn der Staat als Glücksgenerierungsmaschine auftritt."

Bundespräsident Horst Köhler schätzt der mittlerweile 78-jährige, da er sich für den Wert der Freiheit stark macht. Von den übrigen Politikern erwartet er nicht viel. "Dabei sind Eliten für eine Demokratie unerlässlich. Nur Diktaturen können sich mit Gläubigen begnügen", sagt er.

Das ausführliche Autorenporträt und ein Bericht über das Criticón-Gespräch zwischen Joachim Fest und Ansgar Lange findet sich in der Sommerausgabe der Zeitschrift Criticón.


Web: http://www.criticon.de


Für den Inhalt der Pressemitteilung ist der Einsteller, Criticón, verantwortlich.

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