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Banken, Basel II und Beruhigungspillen

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Bundesverband deutscher Banken: EU-Richtlinie belohnt die Guten und bestraft die Schlechten


Bonn/München – Basel II ist ein Dauerbrenner in der Debatte über die Finanzierungsmöglichkeiten des deutschen Mittelstandes. Die Urteile fallen unterschiedlich aus: Die einen stellen das künftige Basel II-Rating als Folterinstrument dar, die anderen als Chance. Die Zeitschrift Focus-Money http://www.focus-money.de/basel_II will den Mittelstand fit machen für die neue EU-Richtlinie und den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) die Angst vor dem Vertragswerk nehmen. Nach Angaben des Chefredakteurs Frank Pöpsel belegt die Statistik, wie wichtig der Mittelstand für die hiesige Wirtschaft ist. Im Zeitraum zwischen 1995 und 2003 sei die Zahl der Mitarbeiter in Unternehmen mit weniger als 500 Beschäftigten und maximal 50 Millionen Euro Jahresumsatz um 1,5 Prozent gestiegen. Bei Großunternehmen seien hingegen im selben Zeitraum 15 Prozent der Arbeitsplätze abgebaut worden. Trotz dieser Zahlen schauen 43 Prozent der KMU pessimistisch in die Zukunft und beklagen, dass die nicht an die für ihre Expansion benötigten Kredite kommen. Dies wird häufig mit Basel II begründet. In Zukunft müssen Banken die Eigenkapitalunterlegung stärker nach der Bonität ihrer Kunden differenzieren, statt die Kredite pauschal mit acht Prozent ihres Eigenkapitals abzusichern.

Die Probleme dürfen nicht verschlafen werden. Alle 13 Minuten – so Focus-Money – gehen bei einer deutschen Firma die Lichter aus. Für 2005 erwartet Creditreform http://www.creditreform.de einen neuen Pleitenrekord. Der Staat macht es den KMU nicht einfacher. "Die Mittelständler finanzieren mit jährlich 45 Milliarden Euro, dass der deutsche Bürokratiedschungel wächst und gedeiht. Und viele Banken starren zu sehr auf Sicherheit und zu wenig auf Werte", führte Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) http://www.bvmwonline.de, bei der Gesprächsreihe "Prominente hautnah" in Düsseldorf aus. Nur ein Fünftel der Betriebe ist mit einem Eigenkapital von mindestens 30 Prozent solide finanziert. Bei einem Drittel liegt die Quote unter zehn Prozent. Ab 2007 sind die neuen Eigenkapitalrichtlinien für alle Banken bindend. Die Banken verteilen schon vorsorglich Beruhigungspillen. "Unternehmen sollten das künftige Basel II-Rating als eine Chance begreifen. Die Banken eröffnen damit ihren Kunden ein zusätzliches Beratungs- und Dienstleistungsangebot", stellte Hans-Joachim Massenberg, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken (BDB) http://www.bdb.de, bei der Vorstellung einer Broschüre zum bankeninternen Rating mittelständischer Kreditnehmen fest. Ein gutes Rating sichere den Unternehmen Wettbewerbsvorteile. Und ein schlechtes Rating sei auch nicht der Weltuntergang, sondern biete die Gelegenheit, Schwachstellen im Betrieb zu erkennen und zu beheben.

Das neue Verfahren sei fairer als das jetzige, zitiert Focus-Money Stephan Paul, Lehrstuhlinhaber für Finanzierungs- und Kreditwirtschaft an der Ruhr-Universität in Bochum http://www.ruhr-uni-bochum.de. Die jetzige Situation sehe nämlich folgendermaßen aus: "Bonitätsstarke Firmen bezahlen die Kredite für Wackelkandidaten mit." Erste Erfahrungen liegen bereits vor. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KFW) http://www.kfw.de staffelt schon seit April 2005 ihre Unternehmenskredite nach Bonität. Je nach Kreditausfallrisiko und Sicherheiten – so die Zeitschrift - bewege sich der Zins zwischen 4,45 und 7,51 Prozent. Die Unternehmen könnten Zinskosten aktiv durch Stärkung des Eigenkapitals und Sicherheitenstellung beeinflussen. Billigere Kredite sind der Lohn guter Bonität und erstklassiger Sicherheiten.

Auch der BVMW-Präsident Ohoven versteht die neuen Regelungen als Chance. Es sei im Interesse des Mittelstandes, von herkömmlichen Bankkrediten unabhängiger zu werden. Schon heute nutzten 60 Prozent der Mittelständler Leasing oder Factoring als Alternativen, so Ohoven in einem Gespräch mit der Thüringischen Landeszeitung (TLZ) http://www.tlz.de. Mittelständische Unternehmen sollten in die Offensive gehen und sich stärker für Beteiligungen öffnen. Weniger Abhängigkeit vom klassischen Bankkredit, mehr Offenheit für die Generierung auch von Risikokapital für Unternehmen, so lautet seine Devise. Basel II diene manchen Banken aber auch als Ausrede, um von eigenen Versäumnissen abzulenken. In den vergangenen zwei Jahren habe man auch ohne Basel II schon einen Rückgang der Unternehmenskredite um rund 24 Milliarden Euro verkraften müssen: "Die Banken begründen das mit Basel II, obwohl diese neuen internationalen Kreditrichtlinien erst Ende 2006 in Kraft treten.(...)Ich glaube eher, der Mittelstand zahlt hier die Zeche für Investmentfehler der Banken. In den 90er Jahren wurden Milliardensummen auf dem neuen Markt regelrecht verbrannt."



Web: http://www.bvmwonline.de


Für den Inhalt der Pressemitteilung ist der Einsteller, Ansgar Lange, verantwortlich.

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