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Jürgen Schrempp, Napoleon und die Insel Elba

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Wenn leitende Angestellte Eroberer spielen und mit ihren Großprojekten scheitern


Bonn/Frankfurt am Main – Jürgen Schrempps Abschied von der Unternehmensspitze des Autobauers Daimler-Chrysler bedeutet nicht nur für Deutschlands größtes Industrieunternehmen eine Zäsur. Jetzt sind auch die Tage des Managerkapitalismus gezählt, vermutet Rainer Hank in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) http://www.faz.net. Manager hätten selten das Wohl der Aktionäre im Auge, schreibt Hank.

Sie frönten lieber ihren Größenfantasien. Der Philosoph Peter Sloterdijk hat vom Managerkapitalismus gesprochen, „der in Großprojekten und Fusionen schwelgt“. Das „megalomanische Management“ entstehe, wenn „leitende Angestellte Eroberer spielen – dabei kehren frühmoderne Denkweisen in die komplexe Welt zurück“. Der Ökonom Herbert Giersch drückt es etwas prosaischer aus: „Fusionen sind Ausdruck der intellektuellen Armut des Managements“. Schrempp habe dabei nur das schlechte Vorbild seines Vorgängers Edzard Reuter kopiert, der seine eigene Größenfantasie „integrierter Technologiekonzern“ nannte, so Hank.

Eigentlich seien Top-Manager à la Schrempp Angestellte ihrer Eigentümer, also der Aktionäre. Doch um die kümmerten sie sich trotz schöner Reden über „Investor Relations“ herzlich wenig. „Schrempp hat das Unternehmen Daimler-Chrysler mit seinen 400.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 140 Milliarden Euro behandelt, als stünde es ihm zur freien Verfügung. Und dabei konnte er ungestört den Wert der Aktionäre vernichten und den Wert des eigenen Einkommens steigern“, schreibt Hank in der FAS. Schrempps unrühmlicher Abgang nach 44 Jahren Firmenzugehörigkeit könnte also zwei positive Effekte erzielt haben. Mit seinem Rücktritt löste der überzeugte Anwalt des Shareholder Value „ein einziges Mal seine Ziele“ ein: Die Börse reagierte auf seine Demission nämlich mit Begeisterung. Die Daimler-Aktie legte kräftig zu. Die gravierendere Folge besteht darin, dass Schrempps Abschied „eine Zäsur der deutschen Wirtschaftsgeschichte“ bedeutet. Das ungute Geflecht zwischen Großfinanz und Industrie zerbreche nun. Die Aktionäre ließen sich nicht mehr alles gefallen. Hanks Schlussfolgerung ist nach Ansicht von Wirtschaftsexperten jedoch problematisch. Er ist der Meinung, Private-Equity-Firmen und Hedge-Fonds nähmen ihre Kontrollaufgaben ernster und schauten den Managern auf die Finger.

Eine zu starke Fixierung auf die börsennotierten Konzerne kritisiert Mario Ohoven, der als Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) http://www.bvmwonline.de Anwalt der kleinen und mittleren Betriebe sein will. Die Veränderungen in der Wirtschaft stellt auch er nicht in Abrede. Das rheinische Modell des Konsens- und Kuschelkapitalismus sei an seine Grenzen gestoßen, meint Ohoven, dessen Familie seit Anfang des 19. Jahrhunderts als Unternehmer im Rheinland tätig ist. „Es ist eine banale Erkenntnis, die leider aber immer noch nicht in die Köpfe vieler Menschen durchgedrungen ist. Der Mittelstand ist das Rückgrat unserer Wirtschaft. Schon Franz Böhm hat gesagt: Geht der Mittelstand zugrunde, können wir alle einpacken, politisch und sozial. Ein mittelständischer Unternehmer, der Eigentümer seines Betriebes ist, gibt sich keinen Allmachts- und Größenfantasien hin, da er im Fall des Scheiterns mit Haus und Hof haften muss“, sagt Ohoven. Er verweist auf eine These des erfolgreichen Buchautors und Managementberaters Reinhard K. Sprenger, der meinte, eine höhere Selbständigenquote würde den Paradigmenwechsel vom Managerkapitalismus zum Eigentümerkapitalismus abmildern. Denn nur der Eigentümerkapitalismus übernehme für die Konsequenzen wirtschaftlichen Handelns auch langfristig Verantwortung. Ob mit Schrempps Rückzug das Totenglöcklein für den Managementkapitalismus bereits geschlagen hat oder ob er sich noch nicht einmal in voller Blüte befindet, ist letztlich sekundär. Es bleibt die Erkenntnis, dass leitende Angestellte oft anders handeln als selbständige Unternehmer, die Eigentümer ihrer Firma sind. Und es bleibt eine weitere Erkenntnis: Frühere gescheiterte Eroberer mussten in die Verbannung. Napoleon verschlug es auf die Insel Elba. Jürgen Schrempp wird nun Rentner und kann das junge Vaterglück mit seiner Büroleitern und Ehefrau Lydia Deininger genießen.


Web: http://www.ne-na.de


Für den Inhalt der Pressemitteilung ist der Einsteller, Ansgar Lange, verantwortlich.

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