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Alphatiere und die Kuschelecke deutsche Wirtschaft

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Das Ende der schlechten alten Industriepolitik


Bonn/Düsseldorf – Die Old Boys des rheinischen Kapitalismus treten ab. Die Vorgänge bei Volkswagen und Daimler-Chrysler waren der Sargnagel dieses Systems, das aus Kungelei zwischen Aufsichtsräten, Betriebsräten, Konzernspitzen und der Politik bestand. Für die Wirtschaftswoche (Wiwo) http://www.wiwo.de bedeutet nicht zuletzt der Abgang von Jürgen Schrempp das „Ende einer Epoche“: „Mit dem Abgang von Schrempp ist bei Daimler-Chrysler die Zeit der Unternehmensführung als quälender Konsensfindungsprozess zwischen Kapitaleignern und Arbeitnehmern vorbei.“

„Beim Daimler“ ging es nach Darstellung der Wirtschaftswoche folgendermaßen zu: „Schrempp erkaufte sich die Zustimmung der Betriebsräte zu seiner Vision einer Welt AG durch die Knebelverträge von Betriebsvereinbarungen; die Duzfreundschaft mit dem ehemaligen Deutsche-Bank-Chef und Daimler-Chrysler-Aufsichtsratsvorsitzenden Hilmar Kopper hielt ihm auf der Seite der Anteilseigner den Rücken frei – vertreten durch Kopper betrachtete Daimler-Chryslers bis vor kurzem größter Einzelaktionär die Beteiligung am Autobauer mehr als Ausdruck einer freundschaftlichen Beziehung denn als Investment, das sich früher oder später auszahlen muss.“ Doch so kann es nicht länger laufen. Die globale Konkurrenz treibt die deutsche Wirtschaft aus ihrer „Kuschelecke“. Dass die Wirtschaftswoche sich nicht bloß von einer Aversion gegenüber dem „selbstherrlichen Vorstandsfürsten“ Schrempp leiten lässt, belegen die Zahlen, die auf die Schwäche des Stuttgarter Konzerns hinweisen: Für die Kernmarke Mercedes errechnete das Institut für Automobilwirtschaft an der Fachhochschule Nürtingen http://idw-online.de gegenüber BMW einen Kostennachteil von 20 Prozent. Der Gewinn je Mitarbeiter, so die Düsseldorfer Wirtschaftszeitschrift, liege mit 15.738 Euro um rund 50 Prozent unter dem von BMW.

Auch bei den Autobauern in Wolfsburg sei das „Old-Boys-Network“ implodiert. Nach Ansicht der Wiwo herrschte in der niedersächsischen Autostadt Filz pur, da in keinem anderen Unternehmen der Republik die Verbindung zwischen Topmanagement, Aufsichtsrat, Arbeitnehmervertretern und Politik so stark gewesen sei wie in dem von Ferdinand Piech geschaffenen Reich. Die Vorgänge bei VW haben nach Ansicht des Bonner Wirtschaftsjuristen Markus Mingers http://www.justus-online.de offensichtlich mit den Systemmängeln der gewerkschaftlichen Mitbestimmung zu tun: „Die strukturelle Schwächen der Unternehmensverfassungen und die paritätische Mitbestimmung in Deutschland begünstigen derartige Vorgänge. Bei VW hat sich eine Grauzone jenseits des Aktienrechts entwickelt, in der sich Manager und Gewerkschafter offensichtlich über Bezüge, Sondervergütungen und Prämien und über Vergünstigungen für führende Gewerkschaftsmitglieder oder Betriebsratsvorsitzende arrangierten“, so Mingers. Zudem sei das Land Niedersachsen im Zuge des so genannten VW-Gesetzes ein wesentlicher Entscheidungsträger des Konzerns. „Daher muss sich das Land Niedersachsen von seiner VW-Beteiligung zurückziehen. So könnte Niedersachsen gleichsam einen Modellcharakter für die Wandlung der Deutschland AG haben, die nur in einem Rückzug des Staates und der Politik bestehen kann“, so Mingers.

Doch Gerhard Schröder, der wohl nur als Führer einer rot-rot-grünen Koalition wieder Kanzler werden könnte, steht noch für das alte System. Die Zeche für dessen antiquierte Industriepolitik zahlt der Bürger. Die Wiwo weist auf den von Schröder und seinem damaligen Wirtschaftsminister Werner Müller eingestielten Zusammenschluss des Stromkonzerns E.On mit Ruhrgas hin. Die Folgen sind bekannt: „Mit Hilfe einer Ministererlaubnis hebelten sie die Bedenken der Wettbewerbsschützer aus. Doch Strom- und Gaspreise für Endverbraucher und mittelständische Unternehmen sind rasant gestiegen. Das Unternehmen häuft Reserven in Höhe von 12 Milliarden Euro an.“ Schröder habe keine bessere Wirtschaftspolitik als sein Vorgänger gemacht, der nie den Eindruck erweckte, dass ihm die Wirtschaft allzu viel bedeutete. Der Hannoveraner Kanzler aber wollte der Genosse der Bosse sein, was sich oft darin erschöpft habe, so die Wiwo süffisant, dass er mit Managern zum Dämmerschoppen zusammengesessen habe.

Strukturreformen jedoch wurden versäumt. Eine Remedur an Haupt und Gliedern fand nicht statt. So wie Schrempp seinen Konzern als Sanierungsfall hinterlassen habe, so hinterlasse Schröder die Republik als Sanierungsfall, schreiben die Wiwo-Redakteure. „Es sind ja einige richtige Reformen auf den Weg gebracht worden. Auch wenn niemand mehr das Wort Hartz hören mag, stehen diese Reformen doch für einen Bewusstseinswandel. Wir können nicht mehr alles vom Staat erwarten, so wie das vielleicht noch in den 70er Jahren möglich erschien. Doch die Maßnahmen verpuffen fast wirkungslos, weil eine Entriegelung des Arbeitsmarktes und eine mutige Steuerreform ausblieben. Nur Wachstum bringt Arbeitsplätze. Von den Hartz-Reformen konnte man sich das nicht erhoffen“, sagt Michael Müller, Geschäftsführer der Neusser a & o-Gruppe http://www.ao-services.de und Wirtschaftssenator des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) http://www.bvmwonline.de. Die Alphatiere in Politik und Wirtschaft verlassen also die Arena. Ob es mit einem weiblichen Alphatier namens Angela Merkel wirklich besser wird, da hat die Wiwo noch einige Zweifel. Das Wahlprogramm der Union könne noch nicht als Hinweis darauf gewertet werden, dass der Augiasstall Deutschland AG endlich ausgemistet wird.



Web: http://www.ne-na.de


Für den Inhalt der Pressemitteilung ist der Einsteller, Ansgar Lange, verantwortlich.

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