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Mit Panik-Mache ist nichts gewonnen

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Kluge Personalpolitik setzt auf Miteinander der Generationen


Bonn/Stuttgart - Der demographische Wandel in Deutschland wird als eine tickende Zeitbombe bezeichnet. Dieses Bild ist falsch, da die Tatsache, dass die Deutschen immer älter werden, bereits seit 30 Jahren bekannt ist. Doch Experten wie Meinhard Miegel galten damals als einsame Rufer in der Wüste.

Mit Angst-Parolen und dem Ausspielen der Generationen ist nichts gewonnen. Die Diskussion über die missverständlichen Äußerungen des Ministerpräsidenten Günther Oettinger zeigen, wie schnell eine Debatte aus dem Ruder laufen kann. Baden-Württembergs größter Arbeitgeber Daimler-Chrysler http://www.daimlerchrysler.com geht mit schlechtem Beispiel voran und baut auf Kosten der Sozialversicherungssysteme Tausende Arbeitsplätze ab. Das Frühpensionierungsprogramm bei Mercedes-Benz http://www.mercedes-benz.de wurde vom 1. Februar 2006 auf den 1. Dezember vorgezogen. Noch in diesem Jahr sollen 800 Mitarbeiter früher in Rente geschickt werden. Insgesamt will der Konzern wegen der schleppenden Autonachfrage in der Mercedes Gruppe 8.500 Stellen streichen.

Die Politik auf Landes- oder Bundesebene kann nur die Rahmenbedingungen setzen. Das baden-württembergische Wirtschaftsministerium rief beispielsweise im Oktober 2002 das Wirtschaftsforum „Demographischer Wandel“ ins Leben. Unter der Leitung des Stuttgarter Ministeriums wollen Kammern, Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände, die Bundesagentur für Arbeit Regionaldirektion Baden-Württemberg und der Landesfrauenrat Debatten anstoßen. In einem Landesnetzwerk Wirtschaft & Demographie, das auf Vorschlag des Wirtschaftsforums gebildet wurde, soll ein Meinungs- und Informationsaustausch von Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung stattfinden. Die vorhandenen Qualifikationspotenziale bei Älteren und auch bei Frauen müssten stärker genutzt werden, verlautet aus dem Ministerium.

Wird die Politik allerdings konkret, machen oft übergeordnete Stellen einen Strich durch die Rechnung. So dürfen Arbeitnehmer über 52 Jahre in Deutschland nicht immer wieder nur mit befristeten Arbeitsverträgen beschäftigt werden. Diese Regelung des Hartz-I-Gesetzes verstößt in ihrer allgemeinen Form gegen den Gleichheitsgrundsatz, urteilte der Europäische Gerichtshof (EuGH) vor kurzem. Dabei sollte diese Regelung ältere Arbeitnehmer nicht diskriminieren, sondern Arbeitgebern die Einstellung dieser Personengruppe erleichtern. Ähnlich argumentierte Ministerpräsident Oettinger in einem offenen Brief an den Vorsitzenden der SPD-Landtagsfraktion, Wolfgang Drexler: „Aus Sicht der meisten älteren Arbeitnehmer dürfte es immer noch besser sein, gegebenenfalls etwas weniger Gehalt hinzunehmen und weiterhin im Arbeitsmarkt integriert zu bleiben, als arbeitslos zu sein und Arbeitslosengeld I oder II beziehen zu müssen.“

Eine isolierte Diskussion über „die Alten“ und „die Jungen“ scheint der falsche Weg zu sein. Dieses Bewusstsein schlägt sich auch in der betrieblichen Wirklichkeit nieder. So gelten das BMW-Werk http://www.bmw.de und die Porsche-Niederlassung http://www.porsche.de in Leipzig als Beispiele für den neuen Reiz gemischter Belegschaften aus Jung und Alt. Das Stichwort heiß Generationenmodell. Im BMW-Werk in der sächsischen Metropole sind dreißig Prozent der Angestellten über vierzig Jahre alt. „Den Unternehmen in Baden-Württemberg und im gesamten Bundesgebiet bleibt nicht mehr viel Zeit zum Umdenken. Die Personalpolitik muss schnell auf den demographischen Wandel reagieren. Spätestens von 2015 an werden die Risse im Arbeitsmarkt tiefer. Die so genannten Baby-Boomer scheiden dann aus dem Erwerbsleben aus“, sagt Michael Zondler, Regionalmanager des Beratungshauses Harvey Nash http://www.harveynash.de mit Verantwortung für das operative Geschäft in Süddeutschland. „Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hat errechnet, dass die Zahl der Arbeitskräfte bis zum Jahr 2040 von heute 41 Millionen aus knapp 31 Millionen schrumpfen wird.“

Helmut Reisinger, Geschäftsführer des Stuttgarter IT-Dienstleisters Nextiraone http://www.nextiraone.de, plädiert für einen guten Mix aus Dynamik und Erfahrung, den ein Unternehmen nur dann sicher stellen könne, wenn eine solide Ausbildung und Fortbildung gewährleistet sein: „Unser Unternehmen hat eine überdurchschnittliche Ausbildungsquote von sieben Prozent. Wichtig ist aber auch die Balance zwischen Dynamik nach dem Motto ‚shake the coconut tree’ und Kontinuität nach der Devise ‚don’t rock the boat too hard’.“ Die Informations- und Telekommunkationsbranche sei besonders stark vom Erfahrungswechsel betroffen, da sich das Wissen sehr schnell verändere. „Unsere Techniker sind im Schnitt pro Jahr sechs Wochen in Ausbildungseinheiten. Dazu haben wir in den vergangenen Jahren die Trainingstage durchschnittlich um 22 Prozent erhöht.“ Reisinger sieht jedoch weiterhin insbesondere für ältere Mitarbeiter große Gefahren, da sie sich aufgrund der in den 90er Jahren recht üppigen Tarifrunden sukzessive aus dem Markt „hinauspreisen“ hätten, obwohl die Leistungskurve im Alter nicht immer progressiv mithalte.

Der Tübinger Politikwissenschaftler Josef Schmid, ehemaliges Mitglied der Rürup-Kommission, hält es hingegen für ein unbestätigtes Vorurteil, dass Ältere mehr kosten und weniger leisten. Arbeitnehmer ab 50 könnten zwar nicht mehr so gut im Akkord arbeiten, dafür aber viel besser planen und koordinieren. Die Politik müsse dafür Sorge tragen, dass die Menschen auch tatsächlich bis 67 arbeiten können. Betriebe sollten sich nach Schmids Ansicht vom Irrglauben verabschieden, dass sich Weiterbildungsmaßnahmen für Ältere nicht lohnten. Vorbild könne der Qualifizierungs-Tarifvertrag der Metallbranche in Baden-Württemberg sein. Er regele, dass auch Leute mit vermeintlich unwichtigeren Jobs Möglichkeiten zur Weiterbildung erhalten.

Anders als die Großunternehmen hätten sich zahlreiche Familien- und mittelständische Unternehmen schon aus den demographischen Wandel eingestellt, meint Michael Sander vom Lindauer Beratungshaus TCP Terra Consulting Partners http://www.terraconsult.de. : „In kleineren Betrieben kommt es nicht so leicht zu einer Polarisierung zwischen Jung und alt. Dort geht es darum, die unterschiedlichen Stärken der jüngeren und älteren Mitarbeiter zu harmonisieren. Schmid hat recht: Die Qualifikation eines Mitarbeiters ist nicht von dessen Lebensalter abhängig.“ Sander verweist auf die in Hergensweiler bei Lindau ansässige Firma rose plastic, die zum „Arbeitgeber des Jahres“ gewählt wurde, weil dort die Mitarbeiter nicht gegeneinander ausgespielt werden und Führungskultur gelebt wird. Das Zerplatzen der New-Economy-Blase, so Sander, zeige die desaströsen Folgen, wenn eine Generation auf die Erfahrungen der anderen „pfeift“ und als „Old Economy“ diskreditiert.


Web: http://www.ne-na.de


Für den Inhalt der Pressemitteilung ist der Einsteller, Ansgar Lange, verantwortlich.

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