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Indien in der Krise?

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Wer nur von „Krise“ spricht verpasst vielleicht eine günstige Chance


Die Pressemitteilungen der letzten Tage lesen sich zu Indien katastrophal: „Sturz der Rupie weckt Krisenangst“ (Manager Magazin) und „Indiens Krise spitzt sich zu“ (FAZ). Es ist von „Kernschmelze“ die Rede und der „größten Krise seit 1991“. Der Anlass: Indiens Währung geriet in den letzten Wochen massiv unter Druck und erreichte den tiefsten Stand seit Jahrzehnten. Fast die Hälfte ihres Wertes musste die indische Rupie gegenüber dem Dollar einbüßen. Doch es wäre falsch, von einer „Indienkrise“ zu sprechen, da es sich nicht um ein indienspezifisches Problem handelt. Unterstützt wird diese Annahme durch die Tatsache, dass auch vergleichbare Volkswirtschaften, wie z.B. Brasilien, Malaysia, Chile, und sogar die Türkei, eine fast identische Negativentwicklung aufweisen. Alle diese Staaten werden von der Andeutung der amerikanischen Notenbank getroffen, zukünftig weniger Staatsanleihen in Schwellenländern zu kaufen, und in fast allen Schwellenländern mussten die dortigen Börsen während der letzten drei Monate einen drastischen Wertverlust erdulden, weil Anleger ihr Geld in Richtung USA umschichten. Selbst die Börsen in China, Australien, Singapur und Hongkong scheinen betroffen. Was bedeutet diese offenbar nicht „indische“, sondern „globale“ Währungskrise nun speziell für Indien? Sie trifft Indien zum schlechtmöglichsten Zeitpunkt. Das Land befindet sich im Wahlkampf und entsprechend zurückhaltend agiert die Regierung. Das Land hat (wie alle anderen Schwellenländer auch) mit einer Abschwächung des vormals übermäßigen Wirtschaftswachstums zu kämpfen – auf „nur noch“ 5%. Zudem sieht sich die Regierung massiven Forderungen ausländischer Investoren ausgesetzt, die zügige und umfassende Reformen fordern, wie z.B. die Freigabe des Einzelhandels für ausländische Unternehmen. Sie kann diese Ansprüche aber nicht im gewünschten Tempo und Umfang gerecht werden, da sie zeitgleich auch unter starkem innenpolitischen Druck steht; große Teile der Bevölkerung sehen in der „zu schnellen“ Öffnung des Landes eine Gefahr für die soziale Stabilität. Auch entpuppt sich die Demokratie Indiens als vielleicht „zu komplex“ und damit als latenter Hemmschuh, der schnelle Reformen verhindert, da der Einfluss regionaler und lokaler Gruppierungen durch die Verfassung und das Wahlsystem besonders stark geschützt wird. Die Berichterstattungen über Vergewaltigungen und dem Korruptionsskandal in der Mobilfunkbranche haben in der westlichen Presse vor allem den Eindruck entstehen lassen, dass sich die Missstände – Bürokratie, Korruption und Infrastruktur – in den letzten Jahren nicht verbessert, sondern verschlimmert hätten. Und für diejenigen, die – warum auch immer – zur Generalabrechnung mit Indien ansetzen wollen, kommt die Chance wie gerufen, denn wer noch Negativeres in noch dramatischer Form zu berichten hat, findet zurzeit überall Gehör. Dabei wird missachtet, dass sich Indien während der letzten zwanzig Jahr deutlich bewegt hat: Indien ist nicht mehr die „überprotektionistische“ Planwirtschaft der Vergangenheit und die meisten ausländischen Firmen können sich inzwischen hier genauso frei bewegen, wie jedes andere indische Unternehmen auch. Auch der Zuwachs der Korruption ist nur scheinbar, weil vieles transparenter geworden ist. Während Korruption in der Vergangenheit entweder gar nicht entdeckt oder darüber geschwiegen wurde, berichtet nun die indische Presse konsequent und schreckt auch vor bekannten Persönlichkeiten nicht zurück. Man macht es sich zu einfach, täglich auftauchende Korruptionsskandale als Anzeichen für eine Steigerung des Problems zu interpretieren. Vielleicht ist das gesteigerte Interesse der indischen Presse auch Ausdruck eines gesteigerten Problembewusstseins? Last but not least sind die Probleme der Infrastruktur nicht neu und haben sich in den letzten Jahren auch nicht verschlechtert, sondern verbessert. Autobahnen gibt es erst seit knapp 10 Jahren, die relevanten Flughäfen und andere Einrichtungen wurden modernisiert und die Probleme bei der Stromversorgung gehören (leider) zu Indien wie verschmutztes Wasser zum Ganges. Jeder, der das Land und seine Herausforderungen seit Jahren kennt, weiß, dass der Ausbau konstant, wenn auch langsam erfolgt. Dies ist aber in einem demokratischem System vielleicht auch gar nicht anders möglich ist, denn Infrastrukturprojekte unterliegen in Indien den gleichen langandauernden Zulassungsverfahren, wie wir sie beispielsweise auch aus Deutschland kennen. Mit anderen Worten: Die Nachteile sind nicht neu und auch nicht größer geworden! Trotzdem gibt es einige ausländische Unternehmen, die von der Währungskrise betroffen sind. Das sind besonders diejenigen, die Hochtechnologie von Europa aus nach Indien zu europäischen Preisen exportieren wollen. Für sie ist es in den letzten Monaten schwieriger geworden, Kunden in Indien zu überzeugen, da sich ihre Produkte in kurzer Zeit aufgrund des Wechselkurses deutlich verteuert haben. Andererseits profitieren davon inländische Produzenten, die von den Währungsschwankungen nur indirekt betroffen sind und entsprechende Preisvorteile gegenüber Lieferungen aus dem Ausland weiter ausbauen konnten. Die Währungskrise schafft auch neue Chancen. Und dieses nicht nur für indische, sondern auch für ausländische Unternehmen. So hat sich an der grundsätzlichen Attraktivität Indiens nichts in den letzten Jahren verschlechtert. Die Argumente, die noch vor wenigen Jahren in allen Medien als „überzeugende Indikatoren“ für das große Zukunftspotenzial des Landes galten, haben nach wie vor Bestand:
- Eine verhältnismäßig junge aufstrebende Bevölkerung mit wachsender Konsumkraft,
- Hoher Bildungsstand der aufstrebenden Mittelschicht,
- Vorhandene mittelständische Strukturen mit klarer Orientierung auf den Binnenmarkt,
- Viele Branchen wurden von ehemaligen Zugangshemmnissen befreit und ausländische Unternehmer sind in eigentlich allen relevanten Branchen nicht mehr auf Joint Venture Partner oder Zulassungen der Zentralregierung angewiesen,
- Englische Sprache in Wirtschaft, Wissenschaft und Bildung.
Und so profitieren zurzeit besonders diejenigen ausländischen Unternehmen, die Indien bereits als Produktionsstandort nutzen sowie diejenigen, die zurzeit den Aufbau von Aktivitäten in Indien planen: Denn Indien war vielleicht nie so „preisgünstig“ wie jetzt. Eine zusätzliche Qualität vor allem für diejenigen Unternehmen, die Indien als Exportdestination nutzen, z.B. als verlängerte Werkbank im eigenen Firmenverbund. Sie freuen sich, dass sie z.B. für firmeninterne Dienstleistungen, die in Indien für das deutsche Stammhaus erbracht werden (Forschung & Entwicklung, Outsourcing von Verwaltungsarbeiten, Engineering etc.), zurzeit fast 30% weniger bezahlen müssen als sie es für die gleichen Leistungen im letzten Jahr taten. In Zusammenfassung: Wenn denn die langfristigen Vorteile gleich geblieben und die Nachteile nicht größer geworden sind, kann von einer „echten“ Krise nicht die Rede sein! Offensichtlich handelt es sich bei der aktuellen „Währungskrise“ um einen temporären Zustand, der an der langfristigen Perspektiven Indiens nichts ändert: Ausländische Unternehmen werden es sich schlichtweg nicht leisten können, das Land für die kommenden Jahren oder Jahrzehnte links liegen zu lassen. Dafür wird das Potenzial Indiens viel zu attraktiv sein, als das Unternehmen auf den indischen Markt verzichten werden können.


Für den Inhalt der Pressemitteilung ist der Einsteller, Sinnikka Vorher, verantwortlich.

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Unternehmensprofil: Dr. Wamser + Batra GmbH

WB berät und betreut europäische Unternehmen auf dem Weg nach und in Indien. Zu den Dienstleistungen gehören Marktanalysen, Planung und Durchführung von Markteintritts- und Markenpositionierungsmaßnahmen, Firmengründungen, Personalsuchen, Vertriebsaufbau ebenso wie Administrationsunterstützung, Krisenmanagement und Unterstützung bei komplexen Aufgaben vor Ort in Indien. Zu den Referenzen zählen Unternehmen wie Miele, Böllhoff, SieMatic, ERBE, Schell, Burg-Wächter, Klaus Union und WISKA.


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