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Marcel Reich-Ranicki ist tot

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Marcel Reich-Ranicki ist heute im Alter von 93 Jahren in Frankfurt verstorben. Frank Schirrmacher, Herausgeber der FAZ, meldete dies via Twitter. „Wir trauern alle… Noch vor zwei Stunden habe ich ihn besucht.“

Marcel Reich-Ranicki ist heute im Alter von 93 Jahren in Frankfurt verstorben. Frank Schirrmacher, Herausgeber der FAZ, meldete dies via Twitter. „Wir trauern alle… Noch vor zwei Stunden habe ich ihn besucht.“

Im März 2013 gab Marcel Reich-Ranicki seine Prostataerkrankung bekannt. Danach zog er sich aus der Öffentlichkeit zurück. Er war über Jahrzehnte der wichtigste Literaturkritiker im deutschsprachigen Raum.

Wer war Marcel Reich-Ranicki?



Ein Mann der sich nicht scheute, seine Meinung öffentlich kund zu tun.



Der wohl beeindruckendeste Auftritt von ihm war, am 11. Oktober 2008. Ranicki erhielt für sein Lebenswerk den Deutschen Fernsehehrenpreis, den er mit der Begründung zurückgab, dass das heutige Fernsehprogramm so niveaulos sei, dass er damit nicht mit in Verbindung gebracht werden wolle. Ranicki teilte dies vor laufender Kamera, auf dem Podium stehend der Zuschauerwelt mit. Seine letzten Worte auf dem Podium waren „Das ich Das noch erleben muss.“

Sein Leben



Geboren wurde Marceli Reich als drittes Kind, der deutsch-polnischen Eltern David Reich und dessen Frau Helene. Seine Kindheit verbrachte er in einer polnischen Provinz Kujawiens. Sein Vater war Besitzer einer Fabrik für Baumaterialien, musste jedoch 1928 Bankrott anmelden. Sein Bruder Alexander Herbert Reich fiel im Alter von 32 Jahren in Kriegsgefangenschaft, seine Schwester Gerda, floh bereits 1939 mit ihrem Mann Gerhard Böhm nach London. Sie starb dort 2006 im Alter von 99 Jahren.

1929 schickten die Eltern, Marcel Reich-Ranicki zu wohlhabenden Verwandten nach Berlin, um ihn eine bessere berufliche Zukunft zu gewährleisten.
Er besuchte in Berlin das Fichte-Gymnasium, wo er trotz seines jüdischen Glaubens und der polnischen Staatsbürgerschaft, 1938 sein Abitur machte. Dies war ihm möglich, da es an seiner Schule die Bedingung gab, dass alle Schüler gleich behandelt werden müssen, egal welchen Glauben oder Nationalität sie angehören. Die Universität durfte er allerdings nicht mehr besuchen.
1938 wurde er im Zuge der „Polenaktion“, eine ethnische Säuberung des NS-Regimes, mit 17.000 anderen Staatenlosen Frauen, Männern und Kindern nach Polen ausgewiesen.


Seine Frau Teofila Langnas lernte Reich-Ranicki durch eine familiäre Tragödie kennen. Ihr Vater Pawel Langnas erhängte sich am 21. Januar 1940, nachdem die deutsche Besatzungsmacht seine Familie enteignet und vertrieben hatte. Reich-Ranickis Mutter wohnte im selben Haus der Familie Langnas und schickte ihren Sohn, sich um die Tochter zu kümmern.


Wenig später wurde er, seine Mutter und Teofila mit 400.000 anderen jüdischen Menschen ins Warschauer Ghetto umgesiedelt. Von den Nazis wurde er als Ältestenrat („Judenrat“) eingesetzt, weiter arbeitete er mit in der Untergrundorganisation des Emanuel Ringelblum und veröffentlichte in der Ghettozeitung (Jüdische Zeitung) zweimal in der Woche Konzertrezensionen.
Am 22. Juli 1942 gab der SS Sturmbannführer Hermann Höfle, im Hauptgebäude des „Judenrat“, die Umsiedlung der Ghettobewohner in das Vernichtungslager Treblinka bekannt. Ausgeschlossen von der Umsiedlung waren der „Judenrat“ sowie deren Familie und Angehörige. Aus diesem Grund heiratete Marcel Reich seine Frau Teofila noch am selben Tag.

Geprägt von der Armut und der täglichen Präsenz des Todes, hat Reich-Ranicki sich viele Überlebensmaßnahmen zur täglichen Gewohnheit gemacht. So saß er in Restaurants immer mit dem Blick zum Ausgang. Am 3. Februar 1943 sollte Ranicki und seine Frau nach Treblinka deportiert werden, sie konnten kurz vorher fliehen und lebten die nächste Zeit versteckt im Untergrund von Warschau. Seine Eltern Helene und David konnten der Deportation nicht entfliehen und wurden in Treblinka getötet. Ebenso erging es der Mutter von Teofila.
Marcel und seine Frau Teofila erhielten bei der Familie von Bolek Gawin Unterschlupf. Dort lebten Sie sechzehn Monate, bis zur Zerschlagung der deutschen Besetzung durch die rote Armee.

Nachkriegszeit



Nach der Befreiung Polens durch die Rote Armee, trat Reich-Ranicki der kommunistischen Partei bei und arbeitete aus Dankbarkeit für die polnische kommunistische Geheimpolizei. Er besetzte diverse hohe politische Ämter und erhielt unter anderen die Medaille „des Sieges und der Freiheit“. 1948 änderte er seinen Namen, aus „Reich“ wurde „Ranicki“. Der Grund war, daß Reich zu sehr an die deutsche Herkunft erinnerte. Trotz seiner Ehrungen und Orden wurde er 1950 aus der Partei ausgeschlossen. Als offizieller Grund wurde „ideologische Entfremdung“ angegeben, worauf Reich verhaftet wurde und einige Zeit in Einzelhaft verbringen musste. In der Einzelhaft befasste er sich mit dem Buch „Das siebte Kreuz“ von Anna Segher. In einem Interview von 1982 erzählte er, dass ihm dieses Buch Mut machte und er daraufhin beschloss, wenn er noch einmal frei komme, er sich noch einmal mit der Literatur befassen würde.
1951 wurde er aus der Haft entlassen und befasste sich tatsächlich wieder mit Literatur. Er begann für Verlage und Rundfunk als freier Schriftsteller zu arbeiten. Jedoch erhielt er Anfang 1953 ein Publikationsverbot der polnischen Behörden. Dies blieb bis Ende 1954 in Kraft. Ab 1955 arbeitete er für den polnischen staatlichen Rundfunk bis Anfang 1958.

Bundesrepublik Deutschland



Nach Deutschland kam er während einer Studienfahrt und blieb einfach in Frankfurt am Main. Sein Sohn Andrzej wurde am 30. Dezember 1948 geboren. Dort angekommen, bekam er eine Stelle als Literaturkritiker im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Sein Vorgesetzter war es, der ihn dazu bewegt hat, seinen heutigen Doppelnamen zu verwenden. Bald darauf wurde er entlassen, und zog Ende 1959 mit seiner Frau nach Hamburg-Niendorf. Von 1960 bis 1973 arbeitete er als Literaturkritiker bei der Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“. 1973 erhielt Reich-Ranicki, die Stelle des Leiters der Literaturredaktion der Frankfurter Allgemeineinen Zeitung. Dort arbeitet er bis zu seinem offiziellen Arbeitsende 1988.
1977 initiierte er den Ingeborg-Bachmann-Preis, der seither zu einem der wichtigsten deutschsprachigen Literaturwettbewerbe und –Preise geworden ist.
Das Literarische Quartett, eine Fernsehsendung des ZDF, wurde von ihm geleitet, wodurch er einen hohen Bekanntheitsgrad in der Öffentlichkeit erlangte. Dort bekam er auch den Titel „Der Literaturpapst“ und gilt seither als der einflussreichste deutschsprachige Literaturkritiker der Gegenwart. Die Sendung wurde vom 25. März 1988 bis zum 14. Dezember 2001 ausgestrahlt.

Ehrungen und Auszeichnungen



Unter anderem bekam er zahlreiche Ehrendoktorwürden verliehen, z.B. von der Universität Tel Aviv. 2006 bekam Reich-Ranicki die Ehrendoktorwürde von der Humboldt-Universität zu Berlin verliehen. Die Humboldt-Universität ist die Rechtsnachfolgerin der Friedrich-Wilhelm-Universität, welche ihn damals aufgrund seiner jüdischen Religionszugehörigkeit nicht angenommen hatte.
2003 bekam er das große Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik Deutschland, 2005 den Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen. Der letzte ihm verliehene Preis, war der Berliner Bär 2012.
Zuletzt lebte er mit seiner Frau Teofila in Frankfurt-Dornbusch. Seine Frau verstarb bereits am 29. April 2011 im Alter von 91 Jahren. Sein Sohn ist Professor für Mathematik an der Universität Edinburgh. Offiziell gab er 4. März 2013 seine Krebserkrankung bekannt und verstarb am 18. September 2013.


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