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Ein wohltemperiertes Buch ist kein spannendes Buch

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Thomas Hanke über den neuen deutschen Kapitalismus


Bonn/Frankfurt am Main - Ulrich Machold hat in der Welt am Sonntag den Finger in die Wunde gelegt: Thomas Hankes Buch über den neuen deutschen Kapitalismus fehlt die Stoßkraft. Die Augen des Lesers gleiten über die 230 Seiten, doch sie werden nicht gebannt. Alles, was der Leiter des Ressorts Meinung beim Handelsblatt so schreibt, ist irgendwie richtig. Aber auch irgendwie langweilig. Ein wohltemperiertes Buch, mit einem Untertitel, der schon nicht unbedingt neugierig macht. Von der „Republik im Wandel“ ist die Rede, und Hanke ist der penible Chronist, der aufschreibt, was sich in den vergangenen Jahren seiner Meinung nach so alles verändert hat. Wer von der Lektüre von Wirtschaftsbüchern Spannung erwartet, der sollte besser nicht unausgeschlafen zu diesem Buch greifen, sonst fallen ihm die Augen zu.

Jedes Buch zur deutschen Ökonomie braucht eine originelle These. Hanke macht einen besonderen Schlenker. Seiner Meinung nach hat sich die Republik schon längst erheblich gewandelt, nur bekommt es keiner so recht mit. Deutschland habe keine Stagnations-, sondern eine Wachstumskrise: „Die Bundesrepublik, das haben wir in den vergangenen Jahren vergessen, besteht nicht nur aus ihrem Sozialsystem, sie hat auch eine der leistungsfähigsten Wirtschaften der Welt.“ Etwas einseitig schiebt Hanke die Jahre der Stagnation in die auslaufende Kohl-Ära. Danach sei der „neue deutsche Kapitalismus“ die noch unfertige Antwort auf den weltweiten Wandel: Die Republik sei in Bewegung.

Bemerkenswert unkritisch fällt das Kapitel über die Private-Equity-Branche aus. Deutschland sei mittlerweile dem Wert nach der drittgrößte Private-Equity-Markt der Welt. Daraus dann wie Hanke zu schließen, die sei ein Beleg dafür, dass die deutschen Vorbehalte gegenüber Finanzinvestoren sehr schnell überwunden worden seien, leuchtet nicht ein. Hanke erwähnt zum Beispiel die prestigeträchtige Übernahme des Grünen Punktes durch KKR. Ob aus den hochfliegenden Versprechungen, den ehemaligen Müllmonopolisten an die Börse zu bringen, etwas geworden ist: Diese Frage beantwortet Hanke nicht, ja er stellt sie noch nicht einmal. Statt dessen zitiert der Autor ausgiebig Henry Kravis und andere Vertreter der von Müntefering als „Heuschrecken“ titulierten Spezies und nimmt das, was sie sagen, anscheinend für bare Münze. Kritische Reflexion über das Treiben der Finanzinvestoren bleibt Fehlanzeige.

Es klingt schon ein wenig wie Lobhudelei, wenn die Private-Equity-Firmen zum „wichtigen Motor des Wandels in Deutschland“ geadelt werden. Am Ende des Kapitels zitiert Hanke zu allem Überfluss noch den KKR-Deutschland-Chef Huth, der sich für die betriebliche Mitbestimmung in Deutschland stark macht. Spätestens hier überkommen den Leser die Tränen der Rührung, wie gut es die angelsächsischen Investoren mit „Good old Germany“ und seinen Traditionen meinen.

Während die knallhart auf Rendite getrimmten Finanzinvestoren sehr gut wegkommen, feiert der Autor an anderer Stelle den Unternehmer als guten Mitbürger. Shareholder Value gelte nicht mehr als Maß aller Dinge. Unternehmen nähmen gesellschaftliche Verantwortung wahr. Corporate Social Responsibility heißt das Stichwort. Ins Deutsche übersetzt: „Saufen für den Regenwald“. Der amerikanische Nobelpreisträger Milton Friedman sei out. „Die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen ist es, ihren Gewinn zu maximieren“: Dieser Leitsatz habe keine Gültigkeit mehr. Beim Betrachten der sozial verantwortlich handelnden Manager und Unternehmer wird Hanke fast biblisch: „Die Götter des Kapitals nehmen sehr menschliche Züge an.“ An dieser Stelle beschließen wir die Rezension. Den Rang der Bibel wird dieses Buch aller Voraussicht nach nicht erlangen.

Thomas Hanke: Der neue deutsche Kapitalismus. Republik im Wandel. Frankfurt am Main: Campus Verlag 2006. 232 S. 19,90 Euro, ISBN 3-593-37775-6


Web: http://www.ne-na.de


Für den Inhalt der Pressemitteilung ist der Einsteller, Ansgar Lange, verantwortlich.

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