info@PortalDerWirtschaft.de | 02635/9224-11
Suchmaschinenoptimierung
mit Content-Marketing - Ihre News
Universität Bayreuth Forschung |

Neue Nanostrukturen für den effizienten Transport von Lichtenergie

Bewerten Sie hier diesen Artikel:
1 Bewertung (Durchschnitt: 5)


Forschern der Universitäten Bayreuth und Erlangen - Nürnberg gelingt Energietransport mit nur minimalen Verlusten bei Raumtemperatur in einzelnen Nanofasern.

Die Umwandlung von Lichtenergie in Strom gewinnt immer mehr an Bedeutung. Technische Fortschritte auf diesem Gebiet hängen wesentlich davon ab, dass es gelingt, die durch Licht erzeugte Energie bei nur minimalen Verlusten zu transportieren. Dafür werden neuartige Komponenten und Bauelemente benötigt. Wissenschaftler der Universität Bayreuth und der FAU Erlangen-Nürnberg berichten jetzt im Forschungsmagazin "Nature" über Nanofasern, die bei Raumtemperatur einen zielgerichteten Energietransport erstmals über mehrere Mikrometer ermöglichen. Dies wird durch einen quantenmechanisch kohärenten Transport entlang der einzelnen Nanofaser gewährleistet.



Nanostrukturen aus scheibchenförmigen Bausteinen



Die Forschergruppen um Dr. Richard Hildner und Prof. Dr. Hans-Werner Schmidt an der Universität Bayreuth haben supramolekulare Nanostrukturen hergestellt, in denen sich die von Licht erzeugte Energie geradlinig über mehrere Mikrometer fortpflanzt – und zwar bei Raumtemperatur, ohne dabei wesentlich schwächer zu werden. Diese Nanostrukturen sind aus über 10.000 identischen Bausteinen aufgebaut. Jeder Baustein ähnelt dabei in seiner Struktur einem Propeller mit drei Flügeln: In der Mitte befindet sich eine Carbonyl-verbrückte Triarylamin-Einheit; hieran sind drei Naphthalimidbithiophen-Chromophore befestigt, die nach außen abstehen. Diese scheibchenförmigen Bausteine bilden spontan durch Selbstorganisation Nanofasern mit Längen von mehr als 4 Mikrometern und einem Durchmesser von nur 0,005 Mikrometern (zum Vergleich: ein menschliches Haar ist ungefähr 50 bis 100 Mikrometer dick). Entscheidend für den Energietransport ist die Carbonyl-verbrückte Triarylamin-Scheibe, die von der Forschungsgruppe um Dr. Milan Kivala an der FAU Erlangen-Nürnberg synthetisiert und an der Universität Bayreuth chemisch modifiziert wurde.



Effizienter Energietransport bei Raumtemperatur



Mit einer Vielzahl von Mikroskopietechniken haben die Bayreuther Wissenschaftler sichtbar gemacht, wie die Energie eine solche Nanofaser in Längsrichtung durchläuft. Selbst bei einer Distanz von 4,4 Mikrometern treten nur äußerst geringfügige Verluste auf. Würde man – wiederum auf dem Weg der Selbstorganisation – die Faser um weitere Bausteine verlängern, könnte die Energie auch diese größere Reichweite durchlaufen. Beim Energietransport durch die Nanofaser arbeiten die perfekt angeordneten molekularen Bausteine in einer präzise aufeinander abgestimmten Weise. Sie geben die Energie in einem gleichmäßigen Takt von einem Baustein zum nächsten weiter: ein Phänomen, das in der physikalischen Forschung als quantenmechanische Kohärenz bezeichnet wird.



Pflanzliche Photosynthese als Vorbild



"Wir haben hier sehr vielversprechende Nanostrukturen vor uns, die deutlich machen, dass die Suche nach optimal geeigneten Materialien für den effizienten Transport von Lichtenergie ein lohnendes Forschungsgebiet darstellt", erklärt Dr. Richard Hildner, der sich an der Universität Bayreuth auf das Forschungsgebiet des "Light Harvesting" ("Lichternte") spezialisiert hat. Hier geht es darum, die Transportprozesse in der pflanzlichen Photosynthese möglichst genau zu verstehen, um die dabei gewonnenen Erkenntnisse für die Energieerzeugung aus Sonnenlicht zu nutzen.



"Die von uns synthetisierten supramolekularen Nanostrukturen können uns möglicherweise weiteren Aufschluss darüber geben, wie der Photosynthese-Apparat in Pflanzen oder auch in Bakterien funktioniert. Außerdem wollen wir in den nächsten Monaten prüfen, inwieweit sich diese Strukturen beispielsweise als Komponenten für neuartige Architekturen von Solarzellen und optischen Bauelementen eignen", so Hildner.



Bayerische Kooperationen in der Polymerforschung



Die jetzt in "Nature" veröffentlichten Forschungsergebnisse sind aus einer engen und in Deutschland einzigartigen interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Physikern und Chemikern auf dem Gebiet der Polymerforschung hervorgegangen. Die Arbeit an neuen Funktionsmaterialien für organische Solarzellen ist an der Universität Bayreuth ein Schwerpunkt innerhalb des Profilfelds "Polymer- und Kolloidforschung" und ebenso im DFG-geförderten Graduiertenkolleg "Fotophysik synthetischer und biologischer multichromophorer Systeme" (GRK 1640, Sprecher: Prof. Dr. Jürgen Köhler). Die Wissenschaftler bringen ihre Kompetenzen zudem in den Forschungsverbund SolTech ein, in dem die Universität Bayreuth und vier weitere bayerische Universitäten ihre Kompetenzen bündeln.



"Unser Beitrag in ‚Nature‘ ist auch ein Beleg für die ausgezeichnete Zusammenarbeit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus der Chemie und Physik der Universitäten Bayreuth und Erlangen-Nürnberg. Zukünftig wollen die nordbayerischen Universitäten Bayreuth, Erlangen-Nürnberg und Würzburg ihre Kooperation im Rahmen des Bayerischen Polymerinstituts (BPI) weiter intensivieren", so Prof. Dr. Hans-Werner Schmidt, der seitens der Universität Bayreuth den Aufbau des BPI vorantreibt.



Veröffentlichung:

Andreas T. Haedler et al.:

Long-Range Energy Transport in Single Supramolecular Nanofibres at Room Temperature, Nature (2015), DOI: 10.1038/nature14570



Kontakt:

Dr. Richard Hildner

Experimentalphysik IV

Universität Bayreuth

Telefon: +49 (0) 921 55 4040

E-Mail: richard.hildner@uni-bayreuth.de



Prof. Dr. Hans-Werner Schmidt

Makromolekulare Chemie I

Universität Bayreuth

Telefon: +49 (0) 921 55 3200 und -3299

E-Mail: hans-werner.schmidt@uni-bayreuth.de



Bildtext:



In einem Bayreuther Laserlabor für Experimentalphysik: Prof. Dr. Jürgen Köhler, Dr. Klaus Kreger, Dr. Richard Hildner (Universität Bayreuth); Dr. Milan Kivala (FAU Erlangen-Nürnberg); Andreas T. Haedler (Universität Bayreuth, z.Zt. TU Eindhoven/NL); Prof. Dr. Hans-Werner Schmidt (Universität Bayreuth) (v.l.n.r.).

Foto: Christian Wißler




Für den Inhalt der Pressemitteilung ist der Einsteller, Herr Christian Wißler (Tel.: (+49) 0921 / 55-5356), verantwortlich.

Pressemitteilungstext: 765 Wörter, 6559 Zeichen. Als Spam melden

Unternehmensprofil: Universität Bayreuth Forschung


Kommentare:

Es wurde noch kein Kommentar zu diesem Thema abgegeben.



Ihr Kommentar zum Thema





Weitere Pressemitteilungen von Universität Bayreuth Forschung lesen:

Universität Bayreuth Forschung | 08.04.2016

Universität Bayreuth: Internationaler Spitzenplatz im THE-Ranking

Die Universität Bayreuth erzielt im internationalen Vergleich junger Universitäten einen Spitzenplatz und baut ihre Top-Position weiter aus. Dies zeigt das neue Ranking ‚150 Under 50' der Times Higher Education (THE), das weltweit die 150 besten ...
Universität Bayreuth Forschung | 24.02.2016

Universität Bayreuth: Die Zukunftsfabrik in Oberfranken

Die Universität Bayreuth startet für kleine und mittelständische Unternehmen ein in Deutschland bisher einzigartiges Vorhaben auf dem Gebiet des Technologietransfers. Im Projekt "Oberfranken 4.0" erhalten Unternehmen die Möglichkeit, die vielfäl...
Universität Bayreuth Forschung | 19.02.2016

Universität Bayreuth: Kostenfreier Zugang zu Datenbanken

Die Oberfrankenstiftung fördert die Anschaffung wichtiger betriebs- und volkswirtschaftlicher Datenbanken an der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät. Studierende und Forschende der Universität Bayreuth erhalten einen uneingeschränk...