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Spaten gegen Laptop tauschen: Deutschland noch keine moderne Dienstleistungsökonomie

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Innovationsbranchen brauchen flexible und leistungsgerechte Löhne


Düsseldorf/Bonn – Wirtschaftswoche-Redakteur Rolf Ackermann http://www.wiwo.de warnt davor, mit hohen Tarifabschlüssen den wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland zu gefährden. In volkswirtschaftlich wichtigen Branchen hätten die Gewerkschaften in diesem Jahr schon satte Lohnerhöhungen erstritten: „In der Chemie gibt es 3,6 Prozent mehr Geld, in der Metall- und Elektroindustrie 4,1 Prozent 4,1 Prozent, und im Baugewerbe sprang ein Zuschlag von 3,1 Prozent heraus“, weiß Konjunkturexperte Ackermann. Die Gewerkschaften begründen ihre hohen Forderungen mit der Lohnzurückhaltung der vergangenen Jahre. „Das Muster der Tarifkonflikte läuft immer gleich ab. Hohe Löhne seien nicht weiter schlimm, weil wir gerade eine Konjunkturerholung erleben, eine glänzende Außenhandelsstatistik vorweisen und im internationalen Vergleich auf niedrige Lohnstückkosten kommen. Mit dieser Litanei aus der guten alten Zeit des Industriekapitalismus kommen wir nicht weiter. Die Realität sieht anders aus. Hohe Löhnabschlüsse führen dazu, dass Arbeit durch Kapital ersetzt wird. Nur dadurch verringert sich der Anteil der Lohnkosten und führt zu geringeren Lohnstückkosten“, bemerkt Michael Müller, Wirtschaftssenator des Bundesverbandes mittelständischer Wirtschaft (BVMW) http://www.bvmwonline.de.

Deutschland gehe es ein bisschen so wie einem alternden Liebhaber. „Er schaut auf sein früheres Leben zurück. Damals war er noch rank und schlank, charmant und topfit. Der Erfolg bei den Damen stellte sich automatisch ein. Mittlerweile hat er graue Haare und ein paar Pfunde zugelegt. Nicht jede Dame, die er möchte, beißt sofort an. Er muss sich eben eine neue Strategie ausdenken, wie er weiterhin punkten kann. Vergleicht er sich stets mit dem 20-jährigen Don Juan, der er mal war, dann wird es nichts. Denn nichts lähmt so sehr wie der Erfolg vergangener Zeiten. Deutschland leidet unter dieser Krankheit, immer nach hinten und nicht genug nach vorn zu schauen“, moniert Mittelständler Müller, Geschäftsführer des IT-Dienstleisters a&o http://www.ao-services.de.

Hier liege auch die Ursache, so die Markterfahrungen des After Sales-Experten, warum wir uns in Deutschland schwer tun, die Transformation vom Industriekapitalismus zur modernen Dienstleistungsökonomie zu bewerkstelligen. „Die Iren können uns ein Vorbild sein, wie man aus dem Armenhaus Europas – bevölkert von Guiness trinkenden katholischen Bauern – eine moderne und hoch technologisierte Dienstleistungsgesellschaft machen kann. Immer mehr Jobs verlagern sich von der traditionellen Landwirtschaft in den Industrie- und Servicesektor. Beim EU-Beitritt 1973 arbeiteten noch 24 Prozent der Iren auf dem Feld, 20 Jahre später waren es nur noch neun Prozent. Gleichzeitig stieg der Anteil bei den Dienstleistungen von 45 auf 63 Prozent. Die ‚Paddys’ haben also den Spaten gegen den Laptop eingetauscht und sind ziemlich gut damit gefahren. Allerdings ohne Flächentarifvertrags-Ideologie und Arbeitszeitverkürzung“, stellt Müller fest.

Fast überall wird länger gearbeitet, so das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) http://www.iwkoeln.de in Köln. Die Schweizer arbeiten 1.852 Stunden im Jahr, die Amerikaner 1.920 und die Japaner 1.811. „Ehrlich gesagt wundert es mich nicht, dass die strukturkonservativen Franzosen nur 1.610 Stunden im Jahr arbeiten. Wenn man sich die 35-Stunden-Woche leistet, lebt man ökonomisch gesehen aber wohl nicht mehr so lang wie ‚Gott in Frankreich’“, sagt Müller.

Es sei vielleicht möglich, die Arbeitszeiten von Lehrern oder Finanzbeamten schematisch festzulegen. Bei mittelständischen Unternehmen in hart umgekämpften Branche wie der Informationstechnik oder Telekommunikation gehe das nicht. „Gerade bei IT-Dienstleistungen gibt es immer jemanden, der weniger Geld für den Job haben will. Wenn man die Bereitschaft zeigt, auch ohne vollen Lohnausgleich ein paar Stunden in der Woche mehr zu arbeiten, kann man gegen diese Konkurrenten bestehen“, führt Müller aus.

Die Gewerkschaften sollten sich von ihrem hoheitlichen Anspruch der Tarifautonomie verabschieden und es dem Arbeitnehmer und Arbeitgeber überlassen, wann wie lange und in welchen Zeiträumen gearbeitet werde. „Wir müssen uns auch von dem Irrglauben lösen, dass der Staat für die Bereitstellung von Arbeitsplätzen da ist“, betont Müller.

Was angemessene Löhne sind, sollte man auch nach Meinung des Wirtschaftswoche-Redakteurs Ackermann dezentraler regeln – „in den Unternehmen selbst oder, noch besser, auf der Ebene der individuellen Arbeitsverträge. Dann könnte sich die Lohnentwicklung sehr viel flexibler an die jeweiligen Verhältnisse in Branchen und Regionen anpassen, je nach ökonomischer Rentabilität jedes einzelnen Arbeitsplatzes. Die Löhne könnten da kräftig steigen, wo es möglich ist, und da sinken, wo die Arbeitsplätze ansonsten verschwinden würden“.

In der Freelance-Ökonomie, die sich in den nächsten Jahren nach Prognosen des Bonner Dienstleistungsforschers Dr. Manfred Wirl in Deutschland immer mehr ausbreiten wird, stößt das Tarifkartell aus industriekapitalistischen Zeiten ohnehin an seine Grenzen: „Computer und Internet, aber vor allem Dezentralisierung, Flexibilisierung, Outsourcing und Networking haben schon jetzt die traditionellen Arbeitsverhältnisse auf den Kopf gestellt. Es kommen neue Selbständige auf den Markt, die sich als Serviceanbieter, Wissens- und Telearbeiter profilieren und sich nicht mehr an Flächentarifverträgen von Industriegewerkschaften und Arbeitgeberverbänden orientieren. Das traditionelle Modell des deutschen Wohlfahrtsstaates hat ausgedient. Das haben sogar kluge Köpfe der Sozialdemokratie wie der ehemalige Hamburger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi erkannt. So schreibt Dohnanyi in dem reformistischen SPD-Manifest ‚Auf der Höhe der Zeit’: ‚Man pulvert Energie in den Ofen, aber die Fenster sind eben offen, und es wird nie mehr so richtig warm’“.


Web: http://www.ne-na.de


Für den Inhalt der Pressemitteilung ist der Einsteller, Gunnar Sohn, verantwortlich.

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