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Preistreiberei der Mobilfunker beeinträchtigt deutschen Mehrwertdienste-Markt: Aufschläge liegen teilweise bei 1.000 bis 2.000 Prozent

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Transparentes österreichisches Preismodell auf Deutschland übertragen


von Gunnar Sohn

Fribourg/Bonn - Der Markt für Mehrwertdienste im deutschsprachigen Raum wird nach den Ergebnissen einer Studie der Universität Friborg http://www.unifr.ch in der Schweiz in den nächsten Jahren weiter stark wachsen. Allein im Jahr 2005 hatte der deutsche Markt demnach ein Umsatzvolumen von 1,65 Milliarden Euro. Gleichwohl, so die Studie vom Lehrstuhl für Management der Informations- und Kommunikationstechnologie, geben die Deutschen weniger für Mehrwertdienste aus, als beispielsweise die Schweizer, die hier aufgeschlossener seien. Studienautor Martin Züst erwartet, dass sich die Mehrwertdienste weiter vom Festnetz zum Mobilfunk verlagern werden. Besonders interaktive Formate hätten demnach Zukunft: „Die Zukunft von Mehrwertdiensten liegt stark in interaktiven Formaten über alle Medien hinweg und nicht nur im TV, wo die Zuschauerbeteiligung eine immer größere Rolle spielt. Auch die Marketing-Abteilungen der Unternehmen nutzen das Potential im Bereich Video-Mehrwertdienste noch zu wenig, obwohl die Möglichkeiten hier sehr vielseitig sind und ein beachtliches Potential besteht“, so Züst.

Auch wenn immer neue Geschäftsmodelle auf den Markt drängen, sehen Experten die Mehrwertdienste differenziert: Als einen „Markt im Umbruch“ bezeichnet Renatus Zilles, Vorsitzender der Geschäftsführung des Bonner Mehrwertdiensteanbieters NEXT ID http://www.next-id.de die derzeitige Situation. Bestehende Geschäftsmodelle müssten in die All-IP-Welt überführt und die Voraussetzungen geschaffen werden, um innovative Dienste zu entwickeln. Mit der Konvergenz von Telekommunikation und Medien sowie dem Zusammenwachsen von Festnetz, Internet und Mobilfunk verschwinden bisherige Marktgrenzen.

Natürlich werde das Geld künftig stärker im mobilen Internet verdient. „Aber im Interesse der Verbraucher benötigen wir bereits jetzt transparente und niedrigere Endkundenpreise in klassischen Mehrwertdienstebereichen – z.B. für Anrufe aus den Mobilfunknetzen zu Mehrwertdiensten“, fordert Zilles. In der freien Preisgestaltung der Mobilfunker für diese Mehrwertdienste-Angebote, für die sie lediglich den Zugang ermöglichen, sieht er eine Ungleichbehandlung. In Einzelfällen komme es zu Auswüchsen mit Preisaufschlägen von 1.000 bis 2.000 Prozent. „Die Kosten für Gespräche zu Auskunfts- und Mehrwertdiensten aus dem Mobilfunk müssten sich denen aus dem Festnetz angleichen. Und da sei die Regulierung und die Politik gefragt. Zilles setzt auf das in Österreich praktizierte, transparente Preismodell. „In Österreich verbleiben vom Endkundentarif 15 bis 18 Prozent beim Mobilfunkbetreiber. Für die gleiche Leistung beanspruchen die Mobilfunkbetreiber in Deutschland bis zu 52 Prozent“, erläutert er die Diskrepanz. Von der Bundesnetzagentur erwartet er daher statt der Regulierung von Inhalten und Geschäftsmodellen eine stärkere Regulierung dieses Marktsegments und verlässliche Rahmenbedingungen, um Wachstumschancen nutzen zu können und die Preistreiberei der Mobilfunker zu beseitigen. Der Status quo bewirke nicht nur eine Schädigung des „klassischen“ Mehrwertdienste-Marktes, sondern habe nachhaltig negative Auswirkungen auf das konvergente Business und das Werbegeschäft der Medienkonzerne. Das Vertrauen in Vergütungssysteme im Mobilfunk werde allgemein langfristig geschädigt und dies könnte sich auch auf Bezahldienste des mobilen Internets ungünstig auswirken.


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