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Fraunhofer Institut AIS diskutiert: Konfliktlösung mit Hilfe der Neuen Medien

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St. Augustin, 21. Februar 2003 Am Freitag den 21. Februar trafen sich auf Schloss Birlinghoven 70 Entscheidungsträger aus dem öffentlichen Sektor und Experten für eGovernment, eBusiness, Mediation, Strategie- und Kommu-nikationsberatung. Gegenstand des Treffens war der mögliche Beitrag der Neuen Medien bei der Lösung von Konflikten.

Der Höhepunkt, der vom Fraunhofer Institut AIS und dem Wissenschaftszentrum Berlin ausgetragenen Veranstaltung, war die Präsentation der Ergebnisse einer internetgestützten Bürgerbeteiligung in Hamburg zum Thema „wachsende Stadt“. Innerhalb von fünf Wochen waren über 4000 Beiträge ins Netz gestellt worden. Entstanden sind viele kreative Ideen wie der Bau „schwimmender Häuser“ oder gläserner Produktionsstätten. Die Beteiligungsplattform basierte primär auf einer Entwicklung des Fraunhofer Instituts AIS, das auch an der Online-Moderation des Diskussionsprozesses beteiligt war.

In der anschließenden Podiumsdiskussion erklärten Vertreter von Bund, Land, Kommune, politischen Stiftungen und Mediationsanbieter ihre Bereitschaft zur Prüfung einer gezielten Nutzung von Online-Mediation-Tools.

In den USA wird das Internet nicht nur bei der Bewältigung von Einzelkonflikten, wie beim Internetauktionshaus e-bay, sondern auch bei der Herbeiführung eines breiten Bevölkerungskonsenses, wie bei der Neugestaltung von Ground Zero, zunehmend eingesetzt. In Deutschland herrscht noch Zurückhaltung hinsichtlich der Nutzung neuer Medien in Beteiligungs- und Konfliktlösungsprozessen.

Schon seit den 70er Jahren ist bekannt, dass Konfliktlösungen teilweise nur dann herbeigeführt werden können, wenn eine visuelle Barriere zwischen den zerstrittenen Parteien liegt. Dies widerspricht der bisherigen Handhabung Probleme „face-to-face“ zu lösen, um aus der Körpersprache der Personen zusätzliche Informationen zu gewinnen. In den USA wird Online-Mediation bereits gezielt als Konfliktlösungs-instrument eingesetzt. So kooperiert z.B. bei der Einrichtung von betreuten Mediationsräumen das Internetauktionshaus e-bay mit dem Unternehmen Square-Trade. In diesen Mediationsräumen können unzufriedene Kunden gemeinsam einen juristischen Vergleich herbeiführen. Die Erfolgsquote wird hier auf um die 80% geschätzt.

Ein weiterer kultureller Unterschied zwischen den USA und Deutschland liegt in der stark rechtsbasierten Auslegung von Konflikten in Amerika. Es ist das Ziel für einen juristischen Vergleich möglichst alle Chancen und Risiken für beide Seiten aufzuzeigen. Prof. Dr. Stephan Breidenbach von der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder plädierte für einen verstärkten Einsatz dieser Form der Mediation auch in Deutschland. In seinem Vortrag zeigte er auf, wie komplexes Recht mit Hilfe der Neuen Medien so visualisiert werden kann, dass auch Laien es verstehen und ihre rechtlichen Spielräume erkennen können. In Deutschland dominiert allerdings tendenziell eine interessenbasierte Mediation, bei der traditionell der face-to-face-Kommunikation eine große Bedeutung zugeschrieben wird. Auch Matthias Trénel vom Wissenschaftszentrum Berlin und Dr. Nicole Krämer von der Universität Köln betonten, dass diese Bedeutung hinterfragt und vielleicht entmystifiziert werden sollte.

In Japan, so die Bonner Soziologin Burgass, ist man ebenfalls relativ weit fortgeschritten. Dort fördert der Staat gezielt die Weiterentwicklung der Neuen Medien, insbesondere zur Diskussion politischer Vorschläge und zur Herbeiführung eines breiten Konsens.

Frau Tyroller von der Akademie für Technologiefolgenabschätzung in Stuttgart unterstrich, dass Bürger sich nur ungern an der Diskussion von populistisch-emotionalen Themen im Internet beteiligen wollen. Große Chancen für E-Partizipation sieht sie aber im Bereich der allgemeinen Ideen- und Problemfindung.

In der abschließenden Podiumsdiskussion forderten insbesondere Mediatoren mehr Best-Practice-Beispiele, wie die internetbasierte Bürgerbeteiligung in Hamburg, sowie eine weitere Diskussion des Begriffes „Online-Mediation“. Insbesondere auch im Hinblick auf die Abgrenzung zwischen der breiten und frühzeitigen Beteiligung von Akteuren zur Konfliktprävention und der eigentlichen Mediation im Falle eines verhärteten Konfliktfalles Vor allem bei Konfliktlösungen und Ideenfindungen im Öffentlichen Sektor, z.B. im Rahmen von Stadtmarketing, Stadtentwicklungs- und Planungsprozessen, ist in Zukunft mit einer breiteren Anwendung von E-Partizipation zu rechnen. Denn das Maß aller Dinge bleibt der Mensch und so betonte Frau Karger vom Bundesinnenministerium, dass die Qualität einer Bürgerbeteiligung immer von der Kompetenz des Moderators abhängig ist.
Kurzportrait
Wissensinformatik und Autonome Roboter sind die beiden Schwerpunkte des Fraunhofer-Instituts für Autonome Intelligente Systeme AIS. Mit seinen Arbeiten leistet das Institut Beiträge zur Gestaltung einer nachhaltigen Wissensgesellschaft. Vorlaufforschung in informationstechnischen Grundlagen mündet dabei in anwendungsnahe Entwicklungen und individuelle Lösungen für Kunden aus Industrie, Forschung und öffentlicher Verwaltung.
AIS unterhält vielfältige nationale wie internationale Kooperationsbeziehungen. Das Institut ist Mitglied der Fraunhofer-Gruppe Informations- und Kommunikationstechnik. Das Institut kooperiert mit Hochschulen in der Region, insbesondere mit der Universität Bonn und der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg. Eine Außenstelle des AIS in Boston, Massachusetts befindet sich im Aufbau. Prof. Christaller leitet zugleich das GMD-Japan Research Laboratory in Kitakyushu und ist Leiter des Steinbeis-Transferzentrums Informationstechnische Systeme am AIS

Pressekontakt Fraunhofer AIS:
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Für den Inhalt der Pressemitteilung ist der Einsteller, Marc de Bruyn, verantwortlich.

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