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Reizüberflutung und Bewegungsmangel

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Zappelphilipp-Syndrom hat oft andere Ursachen

sup.- Laut einer Forsa-Umfrage sind sieben Prozent der Eltern in Deutschland der Meinung, dass ihr Kind an der so genannten Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) leidet. Das heißt, statistisch gesehen würden in jeder Klasse mit 28 Schülern mindestens zwei Kinder mit dieser Diagnose sitzen. Experten gehen allerdings davon aus, dass es tatsächlich deutlich weniger sind. Hinter Anzeichen für die im Volksmund auch als Zappelphilipp-Syndrom bezeichnete Erkrankung stecken oft andere Ursachen. Johannes Klüsener, Psychologe bei der Techniker Krankenkasse, kritisiert, dass die ADHS-Diagnose vielfach ohne ausführliche Diagnostik gestellt wird. Kinder werden dann leichtfertig mit Psychopharmaka behandelt. In den letzten drei Jahren hat das Arzneimittelvolumen bei dieser Erkrankung um über 30 Prozent zugenommen. Durchschnittlich hat allein im letzten Jahr mehr als jedes zehnte Kind ein solches ADHS-Präparat bekommen. "ADHS darf jedoch nicht als schnelle Erklärung für ein anstrengendes Kind, das sich nicht elterlichen, erzieherischen oder gesellschaftlichen Normen entsprechend verhält, herhalten. Nicht alles was auffällig ist, muss auch krankhaft sein", so Klüsener.
Aufmerksamkeitsdefizite können z. B. auch durch hohen Medienkonsum und mangelnde Bewegung entstehen. Ein weit verbreitetes Phänomen in der heutigen Zeit: Laut der Forsa-Umfrage bekommt fast ein Drittel der Kinder weniger als 90 Minuten Bewegung am Tag. Und darin sind der Schulweg und das Toben in der Wohnung bereits eingerechnet. Eines von vier Kindern trifft sich kaum oder gar nicht mehr mit Freunden zum Spielen. Mehr als jedes dritte Kind sieht aber mindestens eine Stunde täglich fern und 80 Prozent der Kinder sitzen täglich an Computer oder Spielkonsole. Gegen diese zunehmende Reizüberflutung verbunden mit fehlender körperlichen Aktivität helfen jedoch keine Psychopharmaka, sondern nur Schritt für Schritt ein Wandel des Lebensstils. Hier sind die Eltern gefordert, ihre Kinder zu mehr Bewegung und Sport zu motivieren. Tipps, wie dies gelingen kann, gibt beispielsweise das Internet-Portal www.komm-in-schwung.de.
Bildzeile: Früher die Regel, heute die Ausnahme: das gemeinsame Spielen mit Freunden.



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