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Nietzsche und die ewige Wiederkunft des Gelbe Tonnen-Streites

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Bonn/Berlin - Existierte die Gelbe Tonne eigentlich schon im 19. Jahrhundert oder wie kam Friedrich Nietzsche zu der Ansicht, dass alles, was ist oder sein wird, schon einmal war? Die ewige Wiederkunft des Gleichen verfolgt den Grünen Punkt seit seiner Geburt vor über 21 Jahren. So verzehren sich die Schöpfer des Recycling-Imperiums über Gebühren-Preller, Trittbrettfahrer, Betrugsmodelle, Trickser und Fälscher. Ein jährlich ablaufendes Ritual der Eingeweihten. Der überschaubare Kreis von Tonnen-Philosophen ergeht sich mit Inbrunst in der Rezeption von Lizenzentgelten, Mengenströmen, Leichtverpackungen, Zertifikaten, Vollständigkeitserklärungen, Novellen der Verpackungsverordnung, Eigenrücknahmen, Branchenlösungen, haushaltsnahe Entsorgungssysteme (profan gesprochen: in der Regel Gelbe Säcke und Tonnen), Anfallstellen, Selbstentsorger, Gemeinsame Stelle, Vollzugsbehörden, Transportverpackungen, Umverpackungen, materialgleiche Nichtverpackungen, Wertstoff-Tonnen, rohstoffliche und werkstoffliche Verwertung, Reduktion in Hochöfen und Müllexporte (pardon: Wertstoffexporte) nach China.

Eine höchst verworrene semantische Melange für einen schnöden Vorgang: Es geht letztlich nur um die Entsorgung von Verpackungen. Mit der fünften Novelle der Verpackungsverordnung sollte alles einfacher werden – das Gegenteil ist der Fall. Der in Gelben Tonnen und Säcken gesammelte Verpackungsabfall wird abgeglichen mit den Verpackungen, die in den Handel kommen, irgendwann bei den Verbrauchern landen und für die auch die Entsorgungsgebühren bei mittlerweile neun Dualen Systemen entrichtet wurden. Diese Vollständigkeitserklärungen werden bei den IHKs eingereicht. Nun ist aber die Sammelei über Gelbe Tonnen und Säcke nicht billig.

Das periodische Spiel in dualer Form

„Der Betrieb kostet ungefähr 700 - 750 Millionen Euro. Ein Marktanteil von nur einem Prozent verursacht Kosten in Höhe von gut sieben Millionen Euro, den ein Duales System in den gemeinsamen Topf werfen muss. Entsprechend hoch ist das Bestreben, einen möglichst geringen Anteil für die Getrenntsammlung zu zahlen“, erläutert der Bonner Abfallexperte Sascha Schuh von der Beratungsgesellschaft Ascon. Deshalb würde man in der Entsorgungsbranche jedes Jahr ein periodisches Spiel erleben. „Es beginnt im dritten Quartal. Zu diesem Zeitpunkt wird festgestellt, dass viel zu wenige Mengen gemeldet sind. Und endet Mitte bis Ende Januar, wenn alle Dualen Systeme nachgeschaut haben und bekennen müssen, noch ein paar Mengen mehr zu lizenzieren. Das dauert so lange, bis sich das Ganze wieder auf ein ähnliches Niveau wie im Vorjahr einpendelt“, so Schuh.

Aktuell werde kritisiert, das rund 125.000 Tonnen aus der Lizenzierung herausfallen, weil sie angeblich am Ort des Verkaufs (Point of Sale) zurückgenommen wurden. Stefan Schreiter, Chef der Duales System Deutschland GmbH (DSD) in Köln, hält die Eigenrücknahmen für unrealistisch. Hier gehe es um ein weiteres Betrugsmodell und führe zu unerträglichen Wettbewerbsverzerrungen. Die Betrüger seien immer noch im Markt. „Wer so große Mengen aus den Systemen rausrechnet, muss vorher diese Mengen doch erst einmal lizenziert haben. Um die so oft gescholtenen Branchenlösungen kann es sich nicht handeln. Es sind wohl eher Duale Systeme mit einem großen Marktanteil, die in der so genannten Gemeinsamen Stelle sitzen“, vermutet Schuh.

Das Elch-Syndrom

Der zeremonielle Streit der Dualen Systeme gleiche daher dem Vers von F.W. Bernstein: Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche oder sind es noch immer. Das gelte auch für die Kritik an den Branchenlösungen. Die Möglichkeit dieser Entsorgungsvariante wird im Behördendeutsch so erklärt: Nach Paragraf 6 Absatz 2 der Verpackungsverordnung kann die Pflicht zur Beteiligung an einem Dualen System entfallen, soweit Hersteller und Vertreiber von Verkaufsverpackungen an Anfallstellen liefern, die den privaten Haushalten gleichgestellt sind und eine eigene Erfassung ihrer Verpackungen an diesen Anfallstellen organisieren. „Nun betreiben Duale Systeme aber selbst Branchenlösungen. Alleine das DSD in Köln hat zwölf eigene Branchenlösungen angemeldet. Und wenn man sich heute die Liste der Branchenlösungen anschaut, kann man feststellen, dass 80 Prozent der Branchenlösungen von den dualen Systemen selber betrieben werden. Deshalb kommt das Umweltbundesamt in einer Studie auch zu dem Ergebnis, dass Branchenlösungen keine Gefahr für Duale Systeme darstellen“, sagt Ascon-Chef Schuh.

Verdrängt werde in der Debatte die Tatsache, dass auch die jüngste Novelle der Verpackungsverordnung die Hauptursache der Probleme nicht gelöst hat. „Es gibt Branchen, die seit der Geburtsstunde des Grünen Punktes noch nie ihre Verpackungen angemeldet haben. Wer bis heute als Trittbrettfahrer nicht erwischt wurde, sieht keinen Anlass, sich an den Entsorgungskosten zu beteiligen“, weiß Schuh. Der Vollzug der Rechtspflichten werde nur unzureichend sichergestellt.

Darauf verwies während der Novellierungsdebatte auch der ehemalige DSD-Justiziar Fritz Flanderka. Das Trittbrettfahrerproblem liege nicht beim klassischen Lebensmitteleinzelhandel. Hier erreiche man traditionell einen Lizenzierungsgrad von 90 Prozent. Bei den Direktimporteuren, den Winzern, Bäckern, Fleischern, dem Direktvertrieb und bei Großmärkten seien bislang alle Maßnahmen gescheitert, die Firmen ins Boot zu holen. Im Non-Food-Sektor liege die Lizenzquote sogar nur bei 50 Prozent. Da bleibt wohl nur ein Achselzucken übrig und die Weisheit von Nietzsche: „Die ewige Sanduhr des Daseins wird immer wieder umgedreht – und du mit ihr, Stäubchen vom Staube.“

Siehe auch:
Audioaufzeichnung des Interviews mit Sascha Schuh von Ascon: Über Müllschwund, Zaubertricks und Verschwörungen. http://soundcloud.com/gsohn/der-gelbe-tonnen-krieg-ber-m

Der Müllschwund-Spuk und die Zertifikatsbürokratie der Entsorgungswirtschaft: Neue Hindernisse für Recyclingwettbewerb. http://ne-na.de/der-m-llschwund-spuk-und-die-zertifikatsb-rokratie-der-entsorgungswirtschaft-neue-hindernisse-f-r-recyclingwettbewerb/

Die zauberhaften Hexereien der Gelben Tonnen-Herrscher: Mystik des Grünen Punktes und parareligiöse Erscheinungen. http://gunnarsohn.wordpress.com/2011/07/18/die-zauberhaften-hexereien-der-gelben-tonnen-herrscher-die-mystik-des-grunen-punktes-und-parareligiose-erscheinungen/

Die Mülltonnen-Verschwörung: Warum kleine grüne Männchen Gelbe Tonnen durchwühlen und Gelbe Säcke aufschlitzen. http://gunnarsohn.wordpress.com/2011/07/05/die-mulltonnen-verschworung-warum-kleine-grune-mannchen-gelbe-tonnen-durchwuhlen-und-gelbe-sacke-aufschlitzen/

von Gunnar Sohn


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