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FTD: Investor will Grünen Punkt-Konzern DSD schneller versilbern

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Finanzexperten fordern gesetzliche Maßnahmen und Offenlegungspflichten: Firmenjäger-Registrierung auf Cayman-Inseln weniger aufwändig als Beantragung eines deutschen Führerscheins

Hamburg/Bonn - Die Übernahme des Grünen Punkt-Müllkonzerns DSD durch den amerikanischen Finanzinvestor Kohlberg Kravis Robert (KKR) ist nach einem Bericht der Financial Times Deutschland nur eine kurzfristige Übergangslösung. Gut ein Jahr nach dem Einstieg von KKR zeichne sich ab, dass der neue Eigner deutlich früher aussteigen wolle als geplant. "Darauf deuten strategische und personelle Weichenstellungen der vergangenen Wochen hin. So löste KKR den DSD-Vorstandschef Peter Zühlsdorff zu Jahresbeginn vorzeitig durch Stefan Schreiter ab. 'Sie haben sich den besten Mann geholt, um den Laden auf Verkaufsfähigkeit zu trimmen', sagte ein mit der Branche vertrauter Investor. Der branchenfremde Schreiter war zuvor Finanzchef der KKR-Beteiligung Stabilus. Zwei Jahr nach Schreiters Amtsantritt 2002 verkaufte KKR die Firma Stabilus", berichtet die FTD.

Schreiter stehe unter Zeitdruck. Um das DSD attraktiv zu machen, müsse er möglichst rasch die hohen Fixkosten des früheren Monopolisten senken. Zugleich schrumpfe dessen Geschäft. Alternative Systeme wie die Mainzer Landbell AG erobern immer mehr Marktanteile. Bis Ende 2007 könnte der DSD-Anteil beim Verpackungsrecycling auf unter 60 Prozent abrutschen.

Mit großer Sorge reagieren die mittelständischen Entsorger auf Hinweise, dass in den nächsten Monaten der Grüne Punkt-Konzern an dieselben Finanzinvestoren veräußert werden soll, die bereits Eigentümer der Firmen Sulo, Altvater und Cleanaway sind. Es handelt sich um die Firmen Blackstone und Apax Partners. Damit würde eine weitere Fusionswelle die Branche erreichen. Hunderte von mittelständischen Recycling- und Entsorgungsunternehmen wären nach Ansicht des bvse-Hauptgeschäftsführers Hans-Günter Fischer mit einem Schlag über die DSD-Verträge quasi Subunternehmer des neuen Branchenriesen. Hier entstehe ein Müllkoloss, der die Marktbeherrschung beim Verpackungsrecycling anstrebe, flächendeckend in der Logistik und Müllaufbereitung tätig sei und sogar über Kapazitäten für die Müllverbrennung verfüge.

"Um den Mülldeal kartellrechtlich abzusichern, geht der Verkauf nicht direkt mit Sulo über die Bühne, sondern direkt mit den Finanzinvestoren", vermutet ein Brancheninsider. Auch wenn das DSD offiziell das Ausstiegsszenario dementiere, sage das nichts über die wirkliche Vorgehensweise des Eigentümers KKR. Mit der Umwandlung des DSD in eine GmbH sei die Sache strategisch für den Firmenjäger erledigt. Interessant wären nur die liquiden Mittel gewesen. Aus dem operativen Geschäft könne KKR seine Renditeversprechen gegenüber den eigenen Anlegern nicht erfüllen. Wer hinter dem Engagement der Firmenjäger stecke und welche Intentionen verfolgt werden, sei ohnehin nicht transparent und damit für staatliche Aufsichtsbehörden schwer nachprüfbar. Das sei bei der Heuschrecken-Attacke der Hedge Fonds auf die Deutsche Börse AG deutlich geworden.

Gegen das undurchsichtige Geschäftsgebaren der zumeist angelsächsischen Finanzinvestoren müsse nach Ansicht des Ex-Deutsche-Börse-Chef Werner Seifert der Staat gesetzliche Maßnahmen ergreifen. Der Markt nähre zur Zeit schwarze Schafe, die gerne von Steuerparadiesen in der Karibik aus operieren. Finanzinvestoren müssten beispielsweise auf den Cayman Islands für eine Registrierung weniger Formulare ausfüllen als bei der Führerscheinprüfung in Deutschland. Investoren wie Carl Icahn oder Private-Equity-Spezialisten wie Kohlberg Kravis Roberts würden sich auf Übernahmekandidaten mit gesundem Cash Flow konzentrieren. Den Kauf selbst finanzierten sie durch Kredite. Mit den Mitteln aus dem Cash Flow tilgten die Raider ihre Schulden. Vier Fünftel aller US-Bundesstaaten hätten mittlerweile gesetzliche Hebel oder sogenannte "Gift-Pillen" installiert, um die Aktionen der Firmenjäger zu begrenzen. "Die Manager dort müssen also nicht mehr bei jedem Klopfen an der Tür zusammenzucken und befürchten, dass KKR davor steht", schreibt Seifert in seinem neuen Buch "Invasion der Heuschrecken" (Econ Verlag).

Institutionelle Investoren und Hedge Fonds schlüpften in Deutschland in die Rolle, die ehedem den Großaktionären vorbehalten war. "Sie tun so, als wären sie langfristig denkende Mehrheitseigentümer, aber in den meisten Fällen verschwinden sie genauso schnell wieder, wie sie gekommen sind – allerdings erst, nachdem sie das Management ausgetauscht und umfangreiche Ausschüttungen an die Aktionäre, also sich selbst, durchgesetzt haben", so Seifert. Für alle Akteure auf den Kapitalmärkten der OECD sollten Offenlegungspflichten gelten. "Es darf nicht sein, dass Fonds, die auf den Cayman-Inseln registriert sind und so gut wie keine Informationen über ihre Eigentümer oder ihre Geschäftspraktiken herausrücken, zentralen Einfluss darauf nehmen können, wie große und größte Unternehmungen in Deutschland und in anderen Industriestaaten geführt werden", kritisiert Seifert. Das Mindeste, was man von diesen Anteileignern verlangen müsse, sei die Offenlegung ihrer Beteiligungen.



Web: http://www.ne-na.de


Für den Inhalt der Pressemitteilung ist der Einsteller, Matthias Schmitz, verantwortlich.

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