info@PortalDerWirtschaft.de | 02635/9224-11
Suchmaschinenoptimierung
mit Content-Marketing - Ihre News
Medienbüro Sohn |

Kurskorrektur statt Klapperstorch

Bewerten Sie hier diesen Artikel:
1 Bewertung (Durchschnitt: 3)


Warum wir uns von den Demographie-Hysterikern nicht einschüchtern lassen sollten


Bonn/Springe - Die familienpolitische Debatte wird in Deutschland vor allem von Männern beherrscht, die ein traditionelles Frauenbild haben, finanziell ganz gut dastehen und jetzt noch mal schnell Oswald Spengler spielen wollen. Sie treten gern als Familienideologen auf und verfügen in der Regel über ein statisches Weltbild. „Wir Deutschen sterben aus“, rufen sie, und richten ihre moralischen Appelle an die jungen Leute im Lande, endlich mehr für den Nachwuchs zu tun. Dass diese drohenden abendländischen Erweckungsrufe, welche die Libido nicht unbedingt anregen werden, mehr verwirren und verschrecken, ist diesen selbst ernannten Propheten egal (Wer denkt beim Beischlaf schon gern an die Zukunft der sozialen Sicherungssysteme?). Sie wollen ja nur ihre Botschaft unters Volk bringen, bezahlte Vorträge halten oder Bücher und Artikel zum Thema schreiben. Demographie ist halt momentan in, und wer nicht ganz blöd ist, setzt sich an den Schreibtisch und haut etwas über Kinder, die Wiederkehr des Religiösen, Heimat und den neuen Patriotismus in die Tasten.

Beischlaf für die Rente

Briten gelten ja gemeinhin als etwas kühler. Daher schlagen wir das Buch des 1947 geborenen Engländers Nicholas Strange mit einiger Erwartung auf. Vielleicht können ja die Inselbewohner mit einem Florett fechten, wo es bei den missionierenden Germanen oft nur zum Schwert reicht. Und nach knapp 140 Seiten schließen wir das Buch mit Wohlgefallen wieder zu, weil uns der auf dem Umschlagbild freundlich zulächelnde Herr mit dem weißen Bart die Angst vor Methusalem gründlich ausgetrieben hat. Fälscht Strange etwa die Zahlen? Mitnichten, die Fakten werden von ihm sehr wohl zur Kenntnis genommen. Selbstverständlich bezweifelt der Autor nicht, dass der demographische Wandel weit reichende Konsequenzen haben wird. Aber anders als die von ihm als „Methusalem-Autoren“ bezeichneten „Hysteriker“ tut er nicht so, als müssten wir uns dem Schicksal wehrlos ausliefern und mit massenhafter Aufzucht nordischer Menschen beginnen, die unser geliebtes Vaterland wieder bevölkern werden.

Stranges Empfehlungen sind ganz einfach: Er plädiert für frühere Einschulung, verkürzte Schul- und Studienzeiten, eingeschränkte Frühpensionierung – die trotz der Rente mit 67 bis 2011 über die „Abwrackprämie“ staatlich alimentiert wird -, die Erhöhung der Frauenerwerbsquote sowie eine tägliche Mehrarbeit von 12 Minuten. Alles in allem recht moderate Forderungen, wobei die letzte wahrscheinlich Frank Bsirske und seine Mitstreiter zum Generalstreik bewegen dürfte. Und die Deutschen sollten vielleicht nicht mehr so oft in Sushi-Bars gehen, denn dann werden sie nachher noch so alt wie die Japaner.

Doch Strange kann der Methusalem-Hysterie auch positive Seiten abgewinnen. Die Suche nach Gegenmitteln habe die öffentliche Aufmerksamkeit auf Misstände gelenkt, die ohnehin korrigiert werden müssten, die aber bisher in der Debatte über den Standort Deutschland und über das Wirtschaftswachstum zu wenig beachtet würden: „Das Methusalem-Gespenst ist deshalb nur ein Gespenst und kein reales Problem, weil es durch Maßnahmen, die wir aus ganz anderen Gründen ohnehin ergreifen müssen, sozusagen nebenbei wieder verscheucht wird.“ Früher wurde Deutschland für sein hervorragendes Bildungssystem bewundert. Heute unterscheidet sich dieses von dem der Nachbarländer nur durch den späteren Beginn und die längere Dauer der Ausbildung. Schon im ersten Semester sind die Deutschen gut zwei Jahre älter als die Studenten in den angelsächsischen Ländern. Eine Diskussion über die Anhebung des Rentenalters müsste also eigentlich erst dann geführt werden, wenn dieser Misstand abgestellt ist.

Abkehr vom deutschen Sonderweg

Die Methusalem-Hysteriker tun immer so, als stünden die Deutschen vor ungeheuren Zukunftsaufgaben. Da ihnen nichts Intelligentes einfällt, fordern sie dann zumeist mehr Staatsknete, die von den hedonistischen Singles aufzubringen ist. Das System darf nicht geändert werden. Die Wirklichkeit muss an das System angepasst werden, so die rechten und linken Familienideologen. Vielleicht verhilft einem der Blick eines Briten dazu, die Dinge etwas entspannter zu sehen. Um die Probleme zu meistern, geht es nur um eine „Wiederannäherung der deutschen Arbeitszeiten und Feriengewohnheiten an die des Rests der Welt“. Viele deutsche Vollzeitbeschäftigte stehen heute nämlich dicht vor der international anerkannten Grenze zur Teilzeitarbeit. „Der vielbeschworene ‚Fleiߒ ist auf dem besten Wege, neben ‚Fernsprecher’, ‚Blockwart’ und ‚Dampfschiffahrt’ in der sprachlichen Rümpelkammer zu landen“, polemisiert der Autor.

Am Ende seines amüsant zu lesenden schmalen Bandes mahnt der Autor eine Kurskorrektur an. Die Deutschen müssten endlich wieder zum „mehrwertschaffenden Arbeiten“ kommen. Dazu gehört auch, dass der Wirtschaftsfaktor Arbeit hierzulande nicht mehr so stark besteuert werden darf, auch wenn Sozialdemokraten vom Schlage eines Kurt Beck meinen, der Staat habe immer noch nicht genug. Ein kinderloser deutscher Arbeitnehmer bringt nur 49 Prozent dessen, was er seinen Arbeitgeber kostet, am Monatsende nach Hause. In den USA liegt der entsprechende Anteil bei 71 Prozent, im europäischen Durchschnitt bei 56 Prozent.

Kurzum: Wenn die Probleme am deutschen Arbeitsmarkt nicht gelöst und die Wirtschaft nicht wieder flott gemacht wird, bekommt Deutschland ernsthafte Probleme, Demographie hin oder her. Damit hat der Klapperstorch nicht viel zu tun. Doch vielleicht wollen sich manche Methusalem-Hysteriker um diese harten Tatsachen herumdrücken. Sie initiieren lieber neue Mutterkreuz-Wettbewerbe, damit Hunderttausende deutscher Babies das hergebrachte System und die Renten derjenigen finanzieren, die mit ihren alarmistischen Schriften schon jetzt ganz gut Kasse machen.

Nicholas Strange: Keine Angst vor Methusalem! Warum wir mit dem Altern unserer Bevölkerung gut leben können. Verlag Zu Klampen: Springe 2006. 16,80 Euro. ISBN 3-934920-90-X.










Web: http://www.ne-na.de


Für den Inhalt der Pressemitteilung ist der Einsteller, Ansgar Lange, verantwortlich.

Pressemitteilungstext: 847 Wörter, 6098 Zeichen. Als Spam melden


Kommentare:

Es wurde noch kein Kommentar zu diesem Thema abgegeben.



Ihr Kommentar zum Thema





Weitere Pressemitteilungen von Medienbüro Sohn lesen:

Medienbüro Sohn | 25.02.2008

Novelle der Verpackungsverordnung

Berlin - Der Deutsche Bundestag hat den Weg für die fünfte Novelle der Verpackungsverordnung freigemacht. Allerdings sieht die Firma BellandVision keinen Grund, die im Markt dominierenden dualen Systeme vor dem Wettbewerb mit Selbstentsorgern zu sc...
Medienbüro Sohn | 15.01.2008

Mobilfunk meets Modemarkt: New Yorker startet Handyangebot

Düsseldorf/Braunschweig - Fragt man den Mobilfunktrends 2008, dann kommen ganz unterschiedliche Ansichten. Sprachsteuerung und das mobile Internet werden eine gewaltige Rolle spielen, meinen die einen. Andere erwarten zur Fußball-Europameisterschaf...
Medienbüro Sohn | 14.01.2008

Die Stimme erobert den PC

Las Vegas/Berlin - Bill Gates hat auf der Elektronikmesse Consumer Electronics Show (CES) http://www.cesweb.org in Las Vegas ein neues digitales Jahrzehnt beschworen. Damit bringt er seine Zuversicht auf den Punkt, dass die Digitalisierung des Alltag...