info@PortalDerWirtschaft.de | 02635/9224-11
Suchmaschinenoptimierung
mit Content-Marketing - Ihre News
Der Wissenschaftsfonds FWF |

Dickdarmentzündungen bei Säuglingen durch eigene Darmflora?

Bewerten Sie hier diesen Artikel:
0 Bewertungen (Durchschnitt: 0)


Das bisherige Erklärungsmodell für die Entstehung einer speziellen Form von Dickdarmentzündungen bei Säuglingen wird derzeit infrage gestellt: Nahm man  bisher eine allergische Reaktion auf Kuhmilch-Proteine als Ursache an, mehren sich nun die Hinweise, dass eine unbalancierte Darmflora für die dabei auftretenden Blutbeimengungen im Stuhl verantwortlich ist. In einem aktuellen Projekt des Wissenschaftsfonds FWF wird Martin Hoffmann von der Medizinischen Universität Graz diesen neuen Hinweisen erstmals systematisch nachgehen.

 



Die sogenannte distale Proktokolitis ist eine Entzündung des End- und Dickdarms, die selten bei Säuglingen auftritt. Ihre Begleitumstände (blutiger Stuhl) sind sowohl für Eltern als auch für Ärzte alarmierend, obwohl die  betroffenen Säuglinge ansonsten gesund erscheinen. Als Ursache wird allgemein eine allergische Reaktion gegen Kuhmilch-Proteine angenommen – und tatsächlich verschwindet die Entzündung nach einer Umstellung der Säuglingsnahrung in den meisten Fällen. Doch Martin Hoffmann glaubt an eine andere Ursache – und wird seiner These nun mit einer systematisch angelegten Studie auf den Grund gehen.

 

Mikrobiom-Forschung

"Es gibt gute Gründe anzunehmen, dass eine Veränderung der Darmflora die wahre Ursache für die Säuglings-Proktokolitis ist", sagt der Kinderarzt, der in ersten Studien bereits gute Belege für diese These fand. So konnten Voruntersuchungen in Säuglingen mit Proktokolitis das deutlich häufigere Vorkommen eines speziellen Bakteriums, Klebsiella oxytoca, nachweisen. Dieses ist zwar bekannt dafür, dass es im Rahmen einer Antibiotikatherapie eine Dickdarmentzündung auslösen kann, doch gleicht dieses Krankheitsbild nicht dem der Säuglings-Proktokolitis. Daher stellt Hoffmann die These auf, dass das Bakterium nicht die eigentliche Ursache ist: "Wahrscheinlich ist das häufigere Vorkommen von Klebsiella oxytoca eine Folgeerscheinung einer insgesamt veränderten Darmflora, einer sogenannten Dysbiose. Gerät die Darmflora aus ihrer normalen Balance, können schädliche Bakterien wie eben Klebsiella oxytoca überhand nehmen." Die Umstellung der Säuglingsernährung auf kuhmilchfreie Nahrung als aktuelles Therapiekonzept würde dann zur Normalisierung der Darmflora und nicht – wie bisher angenommen – zur Beendigung allergischer Reaktionen führen.

 

Verdichtete Hinweise

Hoffmanns Vermutung wird tatsächlich von internationalen Kolleginnen und Kollegen geteilt, die ebenfalls die Zusammensetzung der Darmflora von Säuglingen mit Proktokolitis untersuchten – und deutliche Veränderungen feststellen konnten. Zusätzliche Hinweise, dass das bisherige Erklärungsmodell einer allergischen Reaktion hinterfragt werden sollte, lieferten auch Studien, in denen nach konkreten Hinweisen auf allergische Reaktionen gesucht wurde – und keine gefunden werden konnten.

 

Klärende Studie

Zur eindeutigeren Klärung, ob die Darmflora von Säuglingen mit Proktokolitis umfassend verändert ist, wird in Graz nun eine umfangreiche Studie an Stuhlproben von bis zu 130 Säuglingen durchgeführt. Dabei werden Stuhlproben von Säuglingen mit und ohne Proktokolitis verglichen. Eine Herausforderung des Projekts ist dabei die Erfassung aller verschiedenen Arten von Bakterien. Das Mittel der Wahl ist eine genetische Methode, die sogenannte 16s-rRNA-Analyse. Bei dieser werden spezielle genetische Abschnitte untersucht, die eine Unterscheidung verschiedenster Bakterienarten erlauben. 

 

Flexible Darmflora

Eine weitere Anforderung an das Projekt erläutert Hoffmann so: "Tatsächlich verändert sich die Darmflora von Kindern im ersten Lebensjahr auf ganz natürlichem Weg. Vor diesem Hintergrund ist es schwer, zusätzliche Veränderungen durch ein Krankheitsbild zu erfassen. Wir analysieren daher für jedes Kind individuell, wie sich seine Darmflora innerhalb von acht Wochen verändert – und erwarten, dass wir unterschiedliche Muster in den beiden untersuchten Gruppen erkennen werden. Das wäre ein deutlicher Hinweis darauf, dass tatsächlich eine Dysbiose für die Säuglings-Proktokolitis verantwortlich ist." Die Bestätigung dieser Hypothese wäre dann für Hoffmann Grund genug, über einen Paradigmenwechsel im Erklärungsmodell – und auch in der Therapie – der Kuhmilchprotein-assoziierten Säuglings-Proktokolitis nachzudenken. 

 

 

Zur Person

Martin Hoffmann ist in der Klinischen Abteilung für allgemeine Pädiatrie der Medizinischen Universität Graz tätig. Sein aktueller Forschungsschwerpunkt liegt im Bereich der frühkindlichen Darmentzündung. In den Jahren 2003 bis 2006 war er Visiting Fellow am National Institute of Health, NIDDK, DDB, Bethesda, Maryland, USA bevor er anschließend seine Ausbildung zum Facharzt in Kinder- und Jugendheilkunde in Graz abschloss.

 



Web: http://www.fwf.ac.at


Für den Inhalt der Pressemitteilung ist der Einsteller, Till Jelitto (Tel.: +43 / 1 / 505 70 44), verantwortlich.


Keywords: Pädiatrie, Proktokolitis, Forschung, FWF, Wien

Pressemitteilungstext: 544 Wörter, 4417 Zeichen. Als Spam melden

Unternehmensprofil: Der Wissenschaftsfonds FWF


Kommentare:

Es wurde noch kein Kommentar zu diesem Thema abgegeben.



Ihr Kommentar zum Thema





Weitere Pressemitteilungen von Der Wissenschaftsfonds FWF lesen:

Der Wissenschaftsfonds FWF | 05.05.2015

Hitliste der Umweltchemikalien

Wir sind täglich einer Reihe von Umweltchemikalien ausgesetzt. Sie befinden sich in Putzmitteln, Kosmetika, Plastikprodukten, Textilien oder auch Nahrungsergänzungsmitteln. Viele dieser synthetisch erzeugten Produkte hinterlassen Spuren in unserem ...
Der Wissenschaftsfonds FWF | 17.02.2015

Krumme Touren für mehr Sicherheit: Digital optimierte Tourenplanung für Sicherheitsunternehmen

Schutz wichtiger Personen und Güter ist ein sensibler Bereich und Big Business. Allein 2016 werden weltweit Milliarden Dollar in Services privater Sicherheitsfirmen fließen ? Tendenz steigend. Werttransport- und Personenschutz-Personal soll dabei u...