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Gesichtsanalysesysteme ┬ľ wenn das Schaufenster die Seiten wechselt

Von ilex Datenschutz GbR

Bereits am 17. November berichtet Spiegel Online ├╝ber eine neue Art der Marktforschung: Gesichtsanalysesysteme. Es ist als w├╝rde das Schaufenster die Seiten wechseln. Denn nicht mehr der Kunde beobachtet das Schaufenster, sondern das Schaufenster den Kunden. Steht etwa ein junger Mann davor, erkennt das System dessen werberelevante Attribute (Mann, jung) und zeigt die entsprechende Werbung, z.B. f├╝r Bier. Dieser Trend ├╝berrollt gerade die USA. Auch wenn es hei├čt, dass die Identit├Ąt der ┬äBeobachteten┬ô nicht ermittelt wird, sollte bei der Entwicklung dieser System einiges beachtet werden.
1. Was sind Gesichtsanalysesysteme? Gesichtsanalysesysteme erfassen Gesichter, werten diese aus und ziehen hieraus R├╝ckschl├╝sse auf die dahinter stehenden Personen. Der o.g. Spiegel-Online Beitrag berichtet etwa ├╝ber das System des New Yorker Unternehmens Immersive Labs. Glaube man dem Unternehmen, so der Beitrag, k├Ânne die Software das Geschlecht, das ungef├Ąhre Alter und die Aufmerksamkeit der Passanten einsch├Ątzen. Aufgrund einer angeblich hohen Zuverl├Ąssigkeit solcher Systeme, die laut Spiegel Online der Informatiker Ralph Gross von der Carnegie Mellon University bejaht, sind die Einsatzm├Âglichkeiten sehr gro├č. 2. Privacy by design ┬ľ was m├╝ssen die Entwickler beachten? Die europ├Ąische IT-Branche wird dieses Ph├Ąnomen aufgreifen, wenn das nicht l├Ąngst schon geschehen ist. Oftmals sind es mittelst├Ąndische Unternehmen, die derartige Produkte entwickeln und dann rasch zu Marktf├╝hrern werden. Stammen diese Unternehmen aus einem EU-Land oder sogar aus Deutschland, lohnt es sich, bereits in der Entwicklungsphase eine datenschutzrechtliche Expertise hinzuziehen. Dieses erfolgreiche Konzept nennt man ┬äPrivacy by design┬ô. Gerade in Europa, wo der datenschutzrechtliche Mindeststandard h├Âher als in den USA ist, kann dieser Ansatz zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil werden. Denn sowohl f├╝r den kleinen Ladeninhaber als auch den gro├čen DAX-Konzern gilt: Effektive Produkte, die eine rechtskonforme Nutzung erm├Âglichen werden gleich effektiven Produkten, die keine rechtskonforme Nutzung erm├Âglichen, vorgezogen. Bei einer datenschutzrechtliche Entwicklungsanalyse wird zun├Ąchst zu beachten sein, dass das Filmen von Gesichtern ┬ľ auch wenn Name und Anschrift nicht sofort ermittelt werden k├Ânnen ┬ľ dennoch datenschutzrechtlich relevant ist. Dies zeigt bereits ┬ž 6b BDSG. Daneben sollten sich die Entwickler auch nicht t├Ąuschen lassen; wenn selbst anonyme IP-Adressen als personenbezogene Daten gelten, dann wohl erst Recht derartige Gesichtsaufnahmen. Erkennt man also im Entwicklungsprozess, dass das Datenschutzrecht auf die Gesichtsanalyse anwendbar ist, muss das Entwicklerteam auf eines dringend hingewiesen werden: Nach ┬ž 4 Abs. 1 BDSG ist jede Erhebung, Verarbeitung und/oder Nutzung personenbezogener Daten verboten (=Regel), es sei denn eine Rechtsgrundlage oder die Einwilligung des Betroffenen legalisieren diesen Vorgang (=Ausnahme). ├ťbersetzt man dieses Verbot mit Erlaubnisvorbehalt hei├čt dies: An sich ist die Aufnahme und Auswertung der Gesichter verboten, es sei denn es gibt hierf├╝r eine Rechtsgrundlage oder die Passanten willigen ein. Also sollte man schon bei Entwicklung darauf achten, dass es eine Rechtsgrundlage f├╝r die Verwendung des Gesichtsanalysetools gibt. Hierbei k├Ânnte man etwa differenzieren zwischen Ger├Ąten, die die Daten nur beim Verwender (z.B. Ladeninhaber) belassen, um damit zielgruppengetreue Werbung zu zeigen (Kategorie 1), und solchen Ger├Ąten, die diese Daten noch an einen dahinterstehenden Dienstleister senden, der eine Analyse vornimmt und etwa die Frage kl├Ąrt, welche Produkte im Schaufenster am l├Ąngsten angesehen wurden (Kategorie 2). Soll nur ein Ger├Ąt der Kategorie 1 entwickelt werden, ist nachhaltig zu pr├╝fen, ob ┬ž 29 Abs. 1 Nr. 1 oder Nr. 2 BDSG als Erm├Ąchtigungsgrundlage in Betracht kommt. Aufgrund der Tatsache, dass die Passanten auch anderen Menschen auf der Stra├če ihre Gesichter zeigen und ihre Identit├Ąten nicht ermittelt werden, k├Ânnte man eine Rechtfertigung nach dieser Norm vertreten. Denn es scheint als w├╝rden die schutzw├╝rdigen Belange nicht ├╝berm├Ą├čig beeintr├Ąchtigt. Allerdings m├╝sste in diesem Zusammenhang das Ger├Ąt genau gepr├╝ft und jede ├ťbermittlungs- oder Missbrauchsm├Âglichkeit ausgeschaltet werden, etwa durch eine L├Âschfunktion. Problematisch w├Ąre ein Ger├Ąt der Kategorie 2, denn ┬ž 29 Abs. 1 BDSG rechtfertigt keine ├ťbermittlung. Auch hier sieht das Gesetz M├Âglichkeiten vor, etwa in ┬ž 28 BDSG. Doch hier wird es noch komplizierter. Die gesamte Thematik erinnert ┬ľ hierauf weist auch Spiegel Online hin ┬ľ an das Tool Google-Analytics. Also stellt sich sowohl f├╝r Juristen als auch Entwickler die spannende Frage: Wie k├Ânnte ein Passant der Aufnahme seines Gesichtes widersprechen? Ist dies technisch ├╝berhaupt realisierbar? An dieser Stelle wird Kreativit├Ąt gefragt sein. 3. Fazit Denkbar sind weitere Einsatzm├Âglichkeiten und damit weitere Kategorien. Die vorangestellte Analyse ist nur ein Problemaufriss und ersetzt kein umfangreiches Gutachten. Doch sie zeigt, wie komplex die datenschutzrechtlichen Fragen sind. Es spricht im Grunde nichts gegen die Entwicklung derartiger Produkte. Doch eine datenschutzrechtliche Expertise kann den entscheidenden Wettbewerbsvorteil bringen. Dr. iur. Stephan G├Ąrtner Compliance Manager
16. Jan 2012

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Hinweis

Für den Inhalt der Pressemitteilung ist der Einsteller, Dr. iur. Stephan G├Ąrtner (Tel.: 0331 ┬ľ 97 93 75 0), verantwortlich.

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