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„In Vielfalt vereint“ bedeutet Schutz und Förderung für Minderheitensprachen in allen EU-Mitgliedsstaaten

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Werden wir kulturell ärmer?


Es gibt auf Initiative des Europarates seit 1992 eine Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen, die zum Kulturerbe Europas gehören. Dieses muss geschützt werden. Die Regional- und Minderheitensprachen sollen vor allem in den Bereichen...

Schwerin, 08.05.2019 (PresseBox) - Es gibt auf Initiative des Europarates seit 1992 eine Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen, die zum Kulturerbe Europas gehören. Dieses muss geschützt werden. Die Regional- und Minderheitensprachen sollen vor allem in den Bereichen des öffentlichen Lebens gefördert werden - nicht nur im Bildungs- und Justizwesen und bei den Behörden, sondern auch in den Medien, in Kultur und Wirtschaft.

Sage und schreibe 68 Maßnahmen wurden in der Charta festgelegt, von denen in jedem EU-Land, das über Regional- und Minderheitensprachen verfügt, mindestens 35 umzusetzen sind. Darüber soll alle 3 Jahre Bericht erstattet werden. Aber dazu muss jedes Land des Europarates die Charta erst einmal ratifizieren. Das ist bei 8 Ländern noch nicht der Fall und 14 Staaten haben die Charta noch gar nicht unterzeichnet.

In Deutschland trat die Charta am 01.01.1999 in Kraft mit der Verpflichtung, fünf Minderheitensprachen und eine Regionalsprache zu schützen, wobei sich die Maßnahmen auf die Bundesländer beschränken, in denen die Sprache verbreitet ist: Dänisch in Schleswig-Holstein, Sorbisch in Sachsen und Brandenburg, Nordfriesisch in Schleswig-Holstein, Saterfriesisch in Niedersachsen und Romanes in Hessen.

Die Regionalsprache Niederdeutsch wird in Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein sowie in Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt in verschiedenen Varianten geschützt.

Deutsch gilt in folgenden Ländern als Minderheitensprache: Armenien, Bosnien und Herzegowina, Dänemark, Kroatien, Polen, Rumänien, Schweiz, Serbien, Slowakei, Tschechien, Ukraine, Ungarn und Schweden.

In Mecklenburg-Vorpommern, dem Bundesland unseres Firmensitzes, wird also nur das Niederdeutsche (oder wie hier genannt: Plattdeutsche) geschützt.

Mecklenburg-Vorpommern hat eine weitreichende literarische Tradition des Niederdeutschen aufzuweisen, waren hier doch solche Berühmtheiten tätig wie John Brinckman, Rudolf Tarnow und vor allem Fritz Reuter, der das Niederdeutsche als Literatursprache etablierte. Seine Bücher wurden in 12 Sprachen übersetzt. Und er begann augenzwinkernd seine Übersetzung der biblischen Schöpfungsgeschichte mit: „As uns Herrgott de Welt erschaffen ded, fung hei bi Meckelnborg an…“.

 „En Sprak, de so lachen kann,
 is wiert, dat man sei leiw hett.“ Dieser Satz von „Volksprofessor“ Richard Wossidlo sagt im Prinzip alles. Plattdeutsch ist ein wichtiger Teil der Kultur des heutigen Mecklenburg-Vorpommerns und aus Geschichte und Literatur dieses Landes nicht wegzudenken.

Dennoch ist es nicht leicht, diese Sprache zu bewahren. Noch gibt es Entertainer, Liedermacher und Komponisten wie Klaus-Jürgen Schlettwein und Lars-Luis Linek, Musik-Gruppen wie die Plattfööt, die Niederdeutsche Bühne am Mecklenburgischen Staatstheater, Musik, Hörbücher und -spiele, Bücher „op Platt“. Aber wie lange noch? Selbst auf dem Land wird immer weniger Platt gesprochen, zieht es die jungen Leute in die Stadt und in andere Gegenden der Welt.

Mein Vater, geboren in Rostock, sprach noch Platt, obwohl seine Mutter und Großmutter, aus dem Berlinischen kommend, die Sprache nicht sprachen. Er hat sie sich noch angeeignet, möglicherweise bei der Kinderlandverschickung im 2. Weltkrieg. Ich kann mit ausreichenden Kenntnissen noch Theaterstücke verfolgen; meinem Bruder ist das schon nicht mehr gegeben.

Wie viele Menschen sage auch ich heute: „Ich kann die Sprache zwar noch relativ gut verstehen, aber selbst benutzen kann ich sie nicht.“ Aber ich freue mich, dass noch das plattdeutsche Wort des Jahres gekürt wird. 2018 war das „Hartpuckern“ (Herzklopfen). „Ackerschnacker“ aus dem Jahr 2007 für Handy ist meine Lieblingswortschöpfung. 2018 kam „Ankiekbook“ für „Facebook“.

Mit Sprachen gehen nicht nur Worte verloren, sondern es verschwindet auch die mit ihnen zusammenhängende Kultur. Die Menschheit wird ärmer.

Wie gegensteuern? An etlichen Schulen im Land wird fakultativ Unterricht erteilt, gibt es Wettbewerbe, örtliche Plattdeutsch-Gruppen. Können diese Maßnahmen die Sprache retten, wenn sie im Alltag kaum mehr eine Rolle spielt?

Das Niederdeutsch - Zentrum der Universität Greifswald hat ein Plattdeutsch- Lernprogramm aufgelegt. Vielleicht klappt´s ja online besser…

Kerstin Voigt

PS: Obwohl es das Übersetzungsunternehmen WORLD TEXT schon seit 1991 gibt, hat in all den Jahren noch nie jemand die Anforderung an uns gestellt, Texte im Zusammenhang mit Plattdeutsch zu übersetzen.


Für den Inhalt der Pressemitteilung ist der Einsteller, PresseBox.de, verantwortlich.

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